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11.September: Zweiter Jahrestag
ZiB 2 - Live Schaltung mit Ingrid Thurnherr aus New York
(redigiert), 11.9.2003
George Bush hat befreundete
Staats- und Regierungschefs in der Vergangenheit gerne auf seine Ranch
nach Texas geladen. Einen politischen Gipfel im Sommerhaus der Familie
in Maine, gemeinsam mit dem ersten Praesident Bush, hat es dagegen noch
nie geben. Die politische Botschaft des ungewohnten Settings ist klar.
Bush will sein intaktes persoenliches Verhaeltnis zu Vladimir Putin einsetzen,
um die gefaehrdeten russisch-amerikanischen Beziehungen zu retten.
Die USA hoffen, dass sich zumindest die die antiamerikanische Rhetorik
auf russischer Seite herunterfahren laesst.
Die Verbalattacken Putins in den letzten Monaten haben den amerikanischen
Aussenpolitikexperten klar gemacht, dass die Zeiten vorbei sind, in denen
man automatisch auf russische Solidaritaet zaehlen konnte, wie das in
den Jahren nach dem Ende des Kalten Krieges der Fall war.
Denn die USA brauchen Russland. Ohne die Einbindung Moskaus ist die geplante
Isolation des Iran undenkbar, auch in der Auseinandersetzung mit Nordkorea
ist russische Unterstuetzung fuer die USA wichtig.
In Washington sieht man es als positives Zeichen an, dass Verhandlungen
fuer eine gemeinsame amerikanisch-russische INititative im Bereich der
friedlichen Nutzung der Atomkraft vor dem Abschluss stehen. Die beiden
Staaten wollen Interessenten nuklearen Brennstoff zur Verfuegung stellen,
wenn diese Staaten auf die Wiederaufbereitung verzichten. Das ist ein
Modell, das auch dem Iran angeboten wurde. Vielleicht ist das Abkommen
schon am Wochenende unterschriftreich.
Unklar ist, ob Praesident Bush in der umstrittenen Frage der neuen amerikanischen
Raketenabwehrstellungen in Osteuropa flexibel sein wird. Interessant ist,
dass die Heritage Foundation, ein einflussreicher konservativer Think
Tank in Washington an Bush appelliert, Putins Angebot ernst zu nehmen,
eine sowjetische Radaranlage in Aserbeidschan zu benuetzen. Die iranischen
Raketen, gegen die sich die USA schuetzen wollen, wird es noch viele Jahre
nicht geben und die Tests des Pentagon mit einem Abfangsystem waren bisher
nicht sehr erfolgreich. Aber die Administration hat sich in einer Weise
festgelegt, dass eine Annaeherung schwierig ist.
Auch von der Forderung, Kosovo die ersehnte Unabhaengigkeit zu gewaehren,
werden die USA kaum abruecken.
Durchaus moeglich, dass die Verhandlungen zwischen Hummeressen und Bootfahren
mit Bush Senior haerter werden, als die familiaere Atmosphaere vermuten
laesst.
Solange eine solche Gespraechsbasis erhalten bleibt, so rechnen die amerikanischen
Strategen, kann ein ernsthaftes Buendnis Russlands mit antiamerikanischen
Staaten wie dem Iran, Venezuela oder auch China verhindert werden.
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