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Abu Graib Untersuchungsbericht,
Morgenjournal, 25.8.2004
Sie sind ploetzlich wieder
da in den amerikanischen Nachrichten: die beschaemenden Bilder von Abu
Graib, dem Gefaengnis bei Bagdad in dem irakische Gefangene monatelang
misshandelt wurden. Der Untersuchungsbericht des ehemaligen Verteidigungsministers
James Schlesinger spricht von beispiellosem Chaos, sinnlosem Sadismus
und Brutalitaet bei den naechtlichen Verhoeren. Einzelfaelle seien das
keine gewesen, schliesslich gibt es inzwischen mehr als 300 Untersuchungen.
Die halboffizielle Kommission, die von Verteidigungsminister Rumsfeld
eingesetzt wurde, sieht Fuehrungsschwaeche, fehlende Kontrolle und widerspruechliche
Befehle als die entscheidenden Gruende fuer das Debakel. Dafuer seien
auch die obersten Chefs im Pentagon mitverantwortlich. Aber Grund fuer
einen Ruecktritt des Generalstabschefs oder des Verteidigungsministers
sieht Schlesinger nicht: es habe einfach keine Folterbefehle gegeben.
Die sadistischen Aktionen der Nachtschicht von Abu Graib sind nicht auf
Anweisungen von oben zurueckzufuehren, es sei einfach in animalischer
Weise alles ausser Kontrolle geraten, urteilt der Chef der Untersuchungskommission.
So viele unterschiedliche Abu Graib Untersuchungen gibt es inzwischen,
dass die Oeffentlichkeit laengst den Ueberblick verloren hat. Fuer einige
Generaele im Pentagon wird dder Bericht der Schlesinger-Kommission trotzdem
das Ende der Karriere bedeuten, vermutet der Pentagon-Korrespondent des
Fernsehsenders CBS. Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch
ist das viel zu wenig: sie glaubt, die Folterung von Gefangenen sei Teil
der militaerischen Strategie gewesen und der strenge Tadel der Schlesinger-Kommission
ein billiger Preis fuer vermiedene politische Ruecktritte, sagt Human
Rights Watch.
Eine echt unabhaengige Untersuchungskommission des Kongresses, die der
Regierung wirklich gefaehrlich werden koennte, ist aus heutiger Sicht
unwahrscheinlich. Die zahlreichen internen Militaeruntersuchungen zu Abu
Graib werden zwar wohl zu weiteren Militaergerichtsverfahren fuehren,
den politischen Schaden aber in Grenzen halten.
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