Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Nordkorea prahlt mit Atomprogramm, Morgenjournal, 26.1.2004



Waehrend aus der Sicht der amerikanischen Regierung Schurkenstaaten sonst alles unternehmen, um ihr gefaehrliches Tun vor den Augen der Weltoeffentlichkeit zu verbergen, ist es bei Nordkorea offensichtlich genau umgekehrt. In ihrem Bericht vor dem Kongress in Washington, zeichnen die amerikanischen Wissenschaftler, die auf Einladung der Regierung in Pjoengjang tagelang Atomanlagen inspiziert haben, das ungewohnte Bild einer Regierung, die die skeptische Supermacht Amerika um alles in der Welt davon ueberzeugen will, dass sie tatsaechlich Atombomben baut.
Siegfried Hecker, der amerikanische Atomwissenschaftler an der Spitze der Delegation, erzaehlt, dass man ihm in der geheimnisumwitterten Atomanlage von Yongbyon die leeren Kanister gezeigt hat, aus denen die Brennstaebe entfernt wurden, um waffenfaehiges Plutionum daraus zu machen. Als dem Amerikaner das nicht reichte, brachte man ihm einen geheimnisvollen roten Metallbehaelter, in dem eine weisse Holzschachtel mit zwei Marmeladeglaesern lag. Im einen befand sich gruenes Pulver, im anderen ein Stueck Metall: das ist unsere Abschreckungswaffe, haetten die Nordkoreaner stolz verkuendet. Um sich davon zu ueberzeugen, dass es sich wirklich um Plutonium handelt, nahm Hecker ein Glas in die Hand und es war warm, ein Anzeichen fuer Radioaktivitaet. Die wurde auch von einem rasch herbeigeschafften Geigerzaehler eindeutig bestaetigt.
Das Vorhandensein von Plutonium ist noch kein Beweis fuer Atombomben, sagt der amerikanische Wissenschaftler. Das waere so, als wenn aus der Tatsache, dass jemand Stahl hat, schliessen wuerde, dass er auch Autos bauen kann. Und einen wirklichen Beweis dafuer, dass Nordkorea ueber Atombomben verfuegt, haette auch er nicht zu sehen bekommen. Obwohl sich seine hochrangigen Gastgeber sehr bemueht haetten, genau diesen Effekt zu erziehlen. Immer wieder wurde ihm von den Nordkoreanern der gleiche Satz wiederholt, wir haben ihnen jetzt unseren Abschreckungsmechanismus gezeigt, wir haben bewiesen, dass wir Atombomben bauen koennen.
Westliche Geheimdienste vermuten, dass das nordkoreanische Regime ueber einige Atombomben bereits jetzt verfuegt und in den naechsten Jahren wahrscheinlich mit der Atombombenproduktion im groesseren Stil beginnen koennte. Die Regierung in Washington fuerchtet, Nordkorea koennte diese gefaehrlichen Waffen dann um teures Geld an die Feinde Amerikas, moeglicherweise sogar an Terrororganisationen verkaufen. Gemeinsam mit Suedkorea, Japan und China sind die USA bemueht das Regime in Pjoengjang durch eine Mischung von diplomatischem Druck und militaerischem Drohungen von diesem Weg abzubringen. Kim Jong Il, der mysterioese nordkoreanische Diktator, sieht im Status einer Atommacht aber so etwas wie eine Sicherheitsgarantie fuer sein Regime. Das hoechst ungewoehnliche nordkoreanische Prahlen mit dem eigenen Atomprogramm eroeffnet auf jeden Fall eine neue Runde um schwierigen machtpolitischen Pingpong zwischen Pjoengjang und Washingtondaybook DC.


 

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