Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Bankgeheimnis gelockert - EU erfreut, MoJ, 14.3.2009

In Brüssel zeigt man sich erfreut. Innerhalb von wenigen Tagen sind europaweit so viele Barrieren für den Kampf gegen Steuerhinterziehungen gefallen, wie zuvor in vielen Jahren nicht. Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, die Schweiz, ja sogar die Zwergstaaten Andorra und Monaco, Hongkong und Singapore wollen jetzt besser mit internationalen Steuerfahndern zusammenarbeiten. Drohungen und massiver politischer Druck haben in kürzester Zeit mehr bewirkt, als viele Jahre geduldiger Verhandlungen.
Auf 50 bis 60 Milliarden Euro werden die Guthaben deutscher Staatsbürger in Österreich geschätzt. 100te Milliarden zweifelhaften Ursprungs liegen in der Schweiz. Dass die Banken wenig Fragen stellten, woher die Gelder kommen, war Teil ihrer Geschäftgrundlage. Das Bankgeheimnis, das Geschäfte mit betuchten Kunden aus aller Herren Länder angelockt hat, wurde von der Politik zum Teil der nationalen Identität hochstilisiert.
Jetzt ist alles anders. Im Generalsekretariat der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit OECD in Paris sind fast im Stundentakt die Briefe eingetroffen, in denen die verschiedenen Problemstaaten ihr Bankgeheimnis neu definieren, umdefinieren, aber letztlich doch aufweichen.
Auch Österreich hat seinen Vorbehalt gegen Artikel 26 des Modellvertrages der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit OECD für Doppelbesteuerungsabkommen gestern in aller Form zurückgezogen. Damit sinkt die Gefahr auf eine Liste der Staaten zu kommen, die als nicht kooperativ gelten und möglicherweise mit Sanktionen rechnen müssen.
Aber noch ist die Affaire nicht beendet. Denn die OECD listet auch jene Staaten auf, die bisher wenige oder gar keine Abkommen gegen Steuerbetrug geschlossen haben. Diese Liste liegt dem ORF vor, Österreich und Schweiz schneiden darauf schlechter ab, als Bermuda, die Bahamas oder Liechtenstein.
Innerhalb EU gab es immer wieder sachliche Kritik am Bankgeheimnis, aber mit EU-Recht waren die österreichischen Regeln vereinbar. Denn Wien hat gemeinsam mit Luxemburg und Belgien eine Ausnahmeregel erwirkt, wonach ausländische Kontoinhaber nicht den eigenen Steuerbehörden gemeldet werden müssen. Dafür gilt eine besondere Quellensteuer am Sparbuch. Aber diese Ausnahme für Österreich ist ausdrücklich an die Situation in der Schweiz und anderen Steueroasen gekoppelt, die sich jetzt ändern.
Finanzkommissar Kovacs wirbt für eine neue Richtlinie zur verbesserten Amtshilfe bei Steuerdelikten innerhalb Europas. In Österreich waren die Reaktionen bisher entschieden negativ. Man wird sehen, ob es dabei bleibt.
Anders als bei den G 20 sitzt Österreich in der EU allerdings bei allen Diskussionen über das Bankgeheimnis mit am Tisch und kann seine Argumente vorbringen. Es herrscht das Einstimmigkeitsprinzip, das heißt in der EU kann es ohne österreichische Zustimmung keine Entscheidungen geben.

 

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