Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Barrosos Herbst, MiJ, 29.8.2009


In der Europäischen Union bereitet man sich auf einen heißen Herbst vor. Die Finanzkrise, ein zweites Referendum über den Reformvertrag in Irland und schwierige Klimaverhandlungen stehen auf der Tagesordnung. Ungeklärt ist nach wie vor, wann die Entscheidung über eine mögliche zweite Amtszeit von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso fallen soll. Vor dem Sommer haben Sozialdemokraten und Grüne eine Abstimmung im Europaparlament als verfrüht blockiert.
Sichtlich erholt hat der Kommissionspräsident diese Woche seine Arbeit in Brüssel wieder aufgenommen. Mitgebracht hat Jose Manuel Barroso einen Aktionsplan für die nächsten fünf Jahr, mit dem er in den nächsten Tagen skeptische Europaabgeordnete für sich gewinnen will. Der Kampf gegen die Wirtschaftskrise und den Klimawandel in Europa wird dabei im Zentrum stehen.
Bisher haben sich nur die Staats- und Regierungschefs für eine zweite Amtszeit des konservativen portugiesischen Politikers ausgesprochen. Im Europaparlament, das ebenfalls seine Zustimmung geben muss, lassen ihn Sozialdemokraten, Liberale und Grüne nach wie vor zappeln.
Die Europäische Volkspartei, die Barroso unterstützt, will eine Abstimmung am 16.September. Aber ein definitiver Beschluss steht noch aus. Der wahlkämpfende Kommissionspräsident wird zuvor seinen Fünfjahresplan in den großen Parlamentsfraktionen zur Diskussion stellen. Erst danach wollen die Abgeordneten sich festlegen, wann es zu der bereits mehrmals verschobenen Abstimmung kommen soll.
Sozialdemokraten und Liberale, ohne die keine überzeugende Mehrheit möglich ist, sind noch unentschieden, aber der Widerstand gegen eine rasche Entscheidung schwindet. Für eine weitere Verschiebung gibt es keine wirklichen Grund, argumentiert der stellvertretende Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion Hannes Swoboda.
Das Risiko dabei: zahlreiche Enthaltungen unter sozialdemokratischen und liberalen Abgeordneten. Barroso wäre dadurch auf die Stimmen EU-skeptischer Vertreter des rechten Flügels angewiesen, was der Kommissionspräsident unter allen Umständen vermeiden möchte.
Eine wichtige Rolle spielt auch das irische Referendum am 2.Oktober. Sagen die Iren ja zum Reformvertrag und es unterschreiben danach auch die Präsidenten Tschechiens und Polens, dann könnte die nächste Kommission nach den neuen Regeln des Lissaboner Vertrags bestimmt werden. Jedes Mitgliedsland hätte weiter einen Kommissar. Scheitert der Reformvertrag, muss die Kommission kleiner werden, mindestens ein Land würde auf seinen Kommissar verzichten müssen.
Die Amtszeit der bisherigen Kommission endet am 1.November. Danach könnten die Kommissare höchstens provisorisch geschäftsführend weiter tätig sein.
Jose Manuel Barrosos selbst präsentiert sich auf jeden Fall als Garant der Stabilität, in einer Situation in der auf die EU diesen Herbst viele Herausforderungen auf einmal zukommen, von der Finanzkrise über schwierige Klimaverhandlungen bis die Ernennung einer Kommission.

 

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