Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Belgien - Demonstration gegen Spaltung, AJ und ZiB 20, 18.11.2007

Zehntausende haben heute in der belgischen Hauptstadt Brüssel gegen einen Zerfall des Landes demonstriert. Wegen Spannungen zwischen den Parteien der niederländischen Flamen und den frankophonen Wallonen ist Belgien 161 seit den letzten Parlamentswahlen ohne Regierung.
140 000 Unterschriften hat eine Privatinitiative belgischer Bürger bisher für die Einheit des Landes gesammelt. Weil nach Monaten schwieriger Verhandlungen die Gräben zwischen den Politikern der beiden Volksgruppen nur noch tiefer zu werden scheinen, riefen die Initiatoren heute das erste Mal dazu auf, auf die Strasse zu gehen.
Zweisprachige Slogans, gerufen auf französisch ebenso wie in dem im Norden des Landes gesprochenen Niederländisch und die schwarzrotgelben belgischen Nationalfahnen prägten den Demonstrationszug.
Politiker durften mitgehen, zur Rednertribüne waren sie nicht vorgelassen.
Erst in der vergangenen Woche hat sich die Krise wieder verschärft. Der flämische Innenminister setzte drei Bürgermeister mehrheitlich französischsprachiger Gemeinden im Großraum Brüssel ab, weil sie Mitteilungen auch in französischer Sprache verschickt haben, obwohl in Flandern flämisch die einzige Amtssprache ist.
Flämische Politiker waren bei der Demonstration heute keine zu sehen. Eine Spaltung des Landes sei sowieso kein Thema, heißt es bei den gemäßigten flämischen Parteien. Aus der Sicht der Wallonen geben im Norden in der Politik jedoch längst die Separatisten von rechts aussen den Ton an.
Uneinigkeit über die flämische Forderung nach noch größerer Selbständigkeit verhindert seit Monaten die Bildung einer Koalition der bürgerlichen Parteien aus den beiden Volksgruppen.
Belgien, Die Einheit ist unsere Stärke, hiess es heute ganz patriotisch in den Straßen Brüssels. Aber je länger die politische Blockade dauert, desto schwerer wird es werden, nach dieser langen Krise wieder zusammenzufinden.
Wird sich Belgien demnächst spalten?
In den nächsten Wochen oder Monaten wird das wohl kaum passieren.
Aber mittelfristig ist man sich nicht mehr so sicher. Die große Demonstration heute hat ja gezeigt, wie viele Menschen Angst haben.
Auf die Straße gegangen ist heute vor allem Brüssel, die Hauptstadt. Und Brüssel ist die einzige wirklich gemischte, zweisprachige Region Belgiens.
Sonst leben Wallonen und Flamen in ihren Regionen völlig getrennt. Sehen ihr eigenes Fernsehen, sie lesen ihre eigenen Zeitungen, sie wählen ihre eigenen Parteien.
Fruchtbarer Boden für starke separatistische Strömung in Flandern, die vom rechtsextremen Vlaams Belang bis in die politische Mitte reicht.
Das macht Situation so unsicher.

 

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