Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Belgien im Wahlkampf, ZiB 2, 10.6.2010

Belgien galt dank seiner Tradition der Kompromisse zwischen
Volksgruppen und Parteien einst als Modell für Europa. Diese
Zeiten sind vorbei, seit niederländisch- und französischsprachige
Politiker einander immer unversöhnlicher in den Haaren liegen.
Nicht mehr rechtsextremen Nationalisten standen in diesem
Wahlkampf im Zentrum, mit ihrer lautstarken Forderung nach einem
sofortigen Ende Belgiens. Alles dreht sich um Bart de Wever, den
Separatisten aus der politischen Mitte. Seine neue Flämische
Allianz will aus Belgien einen Staatenbund machen, der später zu
einem unabhängigen Flandern führen soll. Meinungsumfragen sehen
die Separatisten schon als erste Partei des Landes. Was ist so
schrecklich an Belgien, dass es verschwinden soll?
De Wever Bart (NVA - Nieuw Vlaamse Alliantie )
Ich wünsche nicht, dass es verschwindet. Wir sehen nur eine
Evolution seit mehreren hundert Jahren, wo, wo Belgien das eines
war, langsam aber sicher sich entwickelt in zwei aparte
Demokratien.
Löw Raimund (ORF)
Sie sind ja Nationalist, oder?
De Wever Bart (NVA - Nieuw Vlaamse Alliantie )
Nationalist - ich, ich, ich weiß, dass dieses Wort eine sehr
Negativ klingende Bezeichnung hat. Aber wir sind Leute, die
glauben, dass in Europa morgen, Flandern eine eigene Position
einnehmen kann.
Löw Raimund (ORF)
Die Parteien sind streng nach Volksgruppen getrennt. Während der
flämische Norden rechts wählt, sind im französischsprachigen Süden
die Sozialdemokraten stark verankert. Eine Polarisierung, die
die Ängste schürt, das Land könnte tatsächlich einer Spaltung
entgegengehen. <O-Ton Beatrice Delvaux übersetzt von Raimund Löw>
Die Spannung steigt, man hat den Eindruck die Ereignisse könnten
sich überstürzen. Die Gefahr ist real, dass es am Ende sehr rasch
zu einer Trennung kommt. <O-Ton Ende> Total anders die
Einschätzung der Kollegen im flämischen De Morgen. <O-Ton Yves de
Smet übersetzt von Raimund Löw> Der flämische Nationalismus wird
stärker, das stimmt, aber es handelt sich um eine Minderheit.
Nein, wir schlagen einander nicht die Köpfe ein, das sind alles
politische Machtspiele, Belgien steht meiner Meinung nach nicht
vor dem Zerfall. <O-Ton Ende> Wie es im Alltag um das Verhältnis
zwischen den Volksgruppen bestellt ist, wollen wir von einer
zweisprachigen Familie in Brüssel wissen. Vater Frederic ist
frankophon, mit den Kindern unterhält er sich in seiner
Muttersprache. Marie spricht mit den Kindern niederländisch, Felix
und Alice antworten in der gleichen Sprache. Im zweisprachigen
Brüssel ist das ganz normal. <O-Ton Frederic Duville übersetzt von
Raimund Löw> Belgien spalten, wo wir gerade Europa bauen, das ist
doch völlig verrückt. Sollten wir uns einmal entscheiden müssen
zwischen Wallonen und Flamen, dann erklären wir uns eben zu
Europäern. <O-Ton Ende> <O-Ton Marie Maillard übersetzt von
Raimund Löw> Diesen Erfolg zu verstehen, den die Extremisten jetzt
haben sollen, das fällt mir wirklich schwer. <O-Ton Ende> Weil
Belgien im nächsten Halbjahr den Vorsitz in der EU übernimmt,
blickt ganz Europa gespannt auf die bevorstehende Entscheidung.
A

 

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