Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Belgien mietet niederländisches Gefängnis, AJ, 2.11.2009

Eine ungewöhnliche Lösung für die notorisch überfüllten Gefängnisse Belgiens hat die Regierung in Brüssel mit dem Nachbarland Niederlande gefunden: für drei Jahre übernehmen die Niederlande 500 belgische Häftlinge, denn die Gefängnisse des nördlichen Nachbarlandes stehen leer. Dem Deal sind monatelangen Verhandlungen vorausgegangen.
Mit spektakulären Fluchtaktionen per Hubschrauber aus dem Gefängnishof und blutigen Schlägereien machen Belgiens Gefängnisse immer wieder Schlagzeilen. Vergangenen Freitag streikten landesweit die Gefängniswärter, weil eine Wärterin von einem Insassen mit einer Schere schwer verletzt wurde. Der gewalttätige Häftling wurde schließlich von einem Spezialkommando erschossen.
Die Ursache des Chaos ist nach Ansicht der Regierung die Überbelegung in den Strafanstalten. Es gibt 2000 Häftlinge mehr, als Plätze in den Gefängnissen des Landes. Die Öffentlichkeit ruft nach härteren Strafen, aber Geld für den Neubau von Haftanstalten ist keines zu finden.
Bei den niederländischen Nachbarn gibt es genau das umgekehrte Problem. Immer häufiger werden elektronische Fußfesseln oder gemeinnützige Arbeit als Strafen verhängt. Gleichzeitig hat man im Kampf für Law and order viel Geld in Gefängnisse gesteckt, die jetzt häufig leer stehen. 2000 Zellen sind nicht besetzt in den Niederlanden. Da kommt Not der belgischen Nachbarn mit ihren übervollen Haftanstalten wie gerufen.
Ab kommendem Jahr will man 500 belgische Gefangene in eine leer stehende Haftanstalt jenseits der Grenze transferieren. 30 Millionen Euro im Jahr wird der Deal kosten. Der niederländische Finanzminister freut sich über die unerwarteten Einnahmen und die Gefängniswärtergewerkschaft muss sich etwas weniger Sorgen um die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder machen.
Vorgesehen ist ein Gefängniskomplex in der holländischen Stadt Tilburg, unweit der Grenze. Belgien verpflichtet sich keine Gefangenen abzugeben, die als gefährlich eingeschätzt werden oder bei denen man ein Fluchtrisiko vermutet. Die Übersiedlung über die Grenze wird für die Häftlinge freiwillig sein, betont man im Justizministerium im Brüssel.



 

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