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Belgien nach der Wahl, ZiB
2, 14.6.2010
Bis tief in die Nacht dauert
gestern das Freudensfest der
flämischen Nationalisten. Bart der Wever, der von der Auflösung
Belgiens träumt um zu einem unabhängigen Flandern zu kommen,
führt
in Zukunft die stärkste Partei des Landes. Heute ist der
evolutionäre Separatist bereits Gast beim König. Albert der
IIte
muss die Weichen für eine Regierungsbildung stellen, von der
möglicherweise das Schicksal des Landes abhängt. In Europa nimmt
das kleine Belgien eine Sonderstellung ein. Das westliche
Verteidigungsbündnis hat hier sein Hauptquartier, dass die Nato
ausziehen könnte wegen der belgischen Krise wird heftig
dementiert. Brüssel ist quasi Hauptstadt Europas, Belgien
beherbergt die wichtigsten Institutionen der Europäischen Union.
Die spektakuläre Auseinanderentwicklung der belgischen
Volksgruppen ist ein Warnsignal auch für die EU, argumentiert der
EU-Experte des angesehenen britischen Economist. <O-Ton David
Rennie übersetzt von Raimund Löw> Sehen Sie sich den Streit
in
Belgien an. Der Nationalistenchef im reichen flämischen Norden
will den armen frankophonen Süden nicht subventionieren, genauso
wie in der EU Deutschland nicht für Griechenland zahlen will.
<O-Ton Ende> Wenn schon Solidarität zwischen den Regionen eines
Landes so schwierig ist, wie soll das erst in der EU
funktionieren, fragt skeptisch der Economist? EU-Ratspräsident
Hermann van Rompuy, selbst Belgier, ist beim Wählen gestern von
nationalistischen Demonstranten begleitet worden. Auf seinen
Schultern wird ganz besonders die Stabilität der EU im zweiten
Halbjahr liegen, wenn im neuen Vorsitzland Belgien noch keine
Regierung steht. <O-Ton Herman Van Rompuy übersetzt von Raimund
Löw> Es wird für Belgien ganz besonders wichtig sein zu einer
stabilen Regierung zu kommen, die tiefgreifenden Reformen schafft.
<O-Ton Ende> Aber in der französischsprachigen Wallonie haben
gestern die Sozialisten stark gewonnen. Der linke Elio di Rupo im
Süden ist nun der wichtigste Gegenspieler der rechten
Nationalisten im Norden. <O-Ton Pascal Delwit übersetzt von
Raimund Löw> Alle frankophonen Parteien und nach wie vor die
Mehrheit der Flamen wollen nicht das Ende Belgiens sondern eine
neue Kompetenzaufteilung. Es wird sich sehr rasch zeigen, wie weit
Bart de Wever zu einem solchen Dialog bereit ist. <O-Ton Ende> Ob
der neue flämische Nationalismus sich zur reformerischen Kraft
entwickeln kann, das will inzwischen ganz Europa wissen.
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