Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Belgische EU-Präsidentschaft, Europajournal, 2.7.2010

Selten zuvor ist eine minutiös vorbereitete Präsidentschaft in der Europäischen Union in so dramatischer Weise von der Aktualität überrollt worden, wie in den letzten sechs Monaten der Vorsitz Spaniens. Nicht die Arbeitsvorhaben der Madrider Regierung standen im Zentrum, sondern die Krise des Euro, die von den griechischen Finanzproblemen ihren Ausgang genommen hat.
Etwas erschöpft bedankt sich denn auch der spanische Regierungschef Jose Luiz Zapatero für das Engagement seiner Mitarbeiter.
CUT 1 Zapatero
TEXT 2 - Übersetzung
Es wurde viel und gut gearbeitet während der spanischen Präsidentschaft. Diplomaten, Beamte, Mitarbeiter, Viele haben sich da beteiligt, Ihnen gilt mein Dank, so Jose Luis Zapatero.
TEXT 3
Von einer unsichtbaren Präsidentschaft ist in der recht skeptischen europäischen Presse die Rede. Eine verpasste Chance heißt es bei den konservativen politischen Gegnern im Europaparlament.
Beim Krisenmanagement rund um Griechenland hatte auf jeden Fall nicht Spanien das Heft in der Hand, sondern Hermann van Rompuy. Erstmals war Madrid mit den neuen Spielregeln in der EU nach dem Inkrafttreten des Reformvertrages konfrontiert.
Als wichtigsten Erfolg der spanischen Präsidentschaft bezeichnet Jose Luiz Zapatero die Verabschiedung der EU-Wirtschaftsstrategie für die nächsten 10 Jahre.
CUT 2 Zapatero 2020
TEXT 4 - ÜBERSETZUNG
Eine neue Dekade von Reformen in Europa wurde einleitet, um wieder zu Wachstum mit mehr Innovation und mehr Nachhaltigkeit zu kommen.
TEXT 5
Yanis Emanuilidis, Politikwissenschaftler des Brüsseler Think Tanks European Policy Center, zieht eine gemischte Bilanz der spanischen Präsidentschaft.
CUT 3 EMANUELIDIDS ZU SPANIEN 1,12
TEXT 6
Mit Belgien hat am 1.Juli ein Routinier übernommen: 12 Mal war Belgien bereits Vorsitzland in der EU.
Yves Leterme, der belgische Regierungschef, führt nur interimistisch die Geschäfte. Die Bildung einer neuen Regierung nach den letzten Parlamentswahlen mit den unerwarteten Erfolgen der flämischen Nationalisten kann noch Monate dauern. Aber das Selbstverständnis der Belgier als Unterstützungstruppe für die wirklichen Entscheidungsträger ist Konsens, betont der vielsprachige belgische Ministerpräsident Yves Leterme.
CUT 4 LETERME:
TEXT 7 - ÜBERSETZUNG
Unserer Meinung nach ist es die Aufgabe der rotierenden Präsidentschaft den Entscheidungsbildungsprozess auf europäischer Ebene zu fördern. Wir müssen dafür sorgen, dass das Zusammenspielt zwischen Europäischem Parlament, dem Rat und der Kommission funktioniert. Das ist unsere allerwichtigste Aufgabe.
TEXT 8
Vor allem in der Außenpolitik hat ein Vorsitzland in Zukunft wenig Spielraum, weil die Hohe Repräsentantin Cathrine Ashton die wichtigste Rolle spielt.
Belgiens Außenminister Steven Vanackere sieht kein Problem, im Hintergrund zu bleiben.
CUT 5 VANAKERE
TEXT 9 - ÜBERSETZUNG
Für den Außenministerrat stimmt es, da wird Lady Ashton den Vorsitz führen. Die belgische Diplomatie wird alles tun sie in ihrer Rolle zu stärken. Wenn die Europäische Union mit einer Stimme sprechen soll, dann muss das jemand mit einer permanenten Funktion tun.
Aber waren die bisherigen Resultate der neuen EU-Außenpolitik unter Cathrine Ashton nicht ziemlich enttäuschend? Der belgische Außenminister Steven Vanackere gibt sich realistisch.
CUT 6 - VANAKERE
TEXT 9 a - ÜBERSETZUNG
Wenn es große Hoffnungen gibt, dann stellen sich auch leicht Enttäuschungen ein. Klar, von 27 selbstbewussten Diplomatien zu einem gemeinsamen Vorgehen zu kommen, das ist ein schwieriger Prozess. Lady Ashton ist erst seit Dezember 2009 im Amt. Wir hoffen, dass der neue Europäische Auswärtige Dienst spätestens im Dezember funktionieren wird, am Ende unserer Präsidentschaft, das wird eine große Stütze für die die Hohe Repräsentantin sein.
TEXT 10
Belgiens Außenminister Vanackere will vor allem die Beitrittsverhandlungen mit Kroatien, der Türkei und Island ein Stück weiter bringen.
Zu den belgischen Besonderheiten gehört der ausgeprägte Föderalismus mit den schon jetzt weitreichenden Kompetenzen für die Regionen. Mehrere EU-Ministerräten werden nicht von Vertretern der Bundesregierung, sondern von zuständigen Ministern der Regionalregierungen geführt werden, so lautet die interne belgische Übereinkunft.
Der Ministerpräsident der kleinen deutschsprachigen Region in Belgien, Karl-Heinz Lambertz, hat selbst bereits drei Mal an belgischen EU-Präsidentschaften teilgenommen. Die belgischen Regionen übernehmen jetzt viele Kompetenzen in Europa.

CUT 7 - LAMBERTZ CUT 2, CUT 3 1,14
TEXT 11
Ein Zufall ist es, dass auch der ständige Ratspräsident der EU, Herman van Rompuy, aus Belgien kommt. Dem erfahrenen Politiker werden nach wie vor die besten Kontakte in alle für die Präsidentschaft relevanten Stellen seines Heimatlandes nachgesagt.
Frage an den Politikexperten des European Policy Center Yanis Emmanuilidis, wird es in den nächsten sechs Monaten de facto eine Präsidentschaft Van Rompuy geben?
CUT 8 - YANIS EMMANUILIDIS 3,30
TEXT 12
Wenn die Koalitionsverhandlungen zwischen französischsprachigen und flämischen Parteien in Belgien erfolgreich sind, dann werden die handelnden Personen wechseln. Aber Erschütterung wird das wohl keine mehr bedeuten für die EU. Nicht nur deshalb, weil Europapolitik unumstritten ist in Belgien, sondern auch weil die Institutionen der Union weniger anfällig sind auf politische Instabilität in dem Land, das sechs Monate lang den Vorsitz führt.

 

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