Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Belgischer Bischof gibt Missbrauch zu, ZiB 2, 15.4.2011

Seit Jahren wird die katholische Kirche in Belgien von Missbrauchsfällen, ganz ähnlich wie in den USA oder Irland. Nach dem aufsehenden Bericht einer kircheninternen Kommission, die von fast 500 Missbrauchsfällen sprach, und dem offiziellen Bedauern der Kirchenfürsten glaubte Belgien die düstere Affaire hinter sich zu haben. Jetzt jedoch rührt der ehemalige Bischof von Brügge, der wegen jahrelangen Missbrauchs seines Neffen im letzten Jahr zurückgetreten ist, mit einem aufsehenerregenden Fernsehinterview die Frage wieder auf. In Belgien gehört die römisch-katholische Kirche zu den historischen Fundamenten des Landes. Doch fast 500 Missbrauchsfälle aus vergangenen Jahrzehnten erschüttern die ehrwürdige Institution. Begonnen hatte alles mit ihm, dem Bischof von Brügge, der seinen Neffen missbraucht hat und zurücktrat. Die Amtskirche hat lange alle Hinweise auf ein Fehlverhalten unter den Teppich gekehrt. Jetzt meldet sich der pensionierte Kirchenmann nach Monaten wieder zu Wort. Auch ein zweites Kind hat er missbraucht, gibt Vangheluwe jetzt zu, die beiden Neffen kamen auf Besuch, und schliefen bei mir, wie in allen Familien. Ich will sagen, wie leid es mir tut, was ich getan habe. Aber als pädophil fühlt sich der Gottesmann nicht, er hatte einfach ein kleines Verhältnis mit seinen Neffen, sagt Vangheluwe. Die lockere Fernsehbeichte des pensionierten Bischofs empört sogar den Premierminister. Das ist einfach schrecklich, was er gesagt hat, das sprengt alle Grenzen, das kann so nicht weitergehen. Geschockt auch die Gläubigen vor der Kathedrale in Brüssel. Die Kirche versucht ihre Probleme außerhalb der Gesetze zu regeln, das ist nicht in Ordnung, die Gesetze müssen für alle gleich streng sein. Man hat den Eindruck völliger Straflosigkeit, dabei macht der Bischof ein zweites Mal ein Geständnis und die Kirche reagiert noch immer nicht, die Folgen werden tragisch sein. Viel zu nett geht man mit diesem Mann um, bei Kindesmissbrauch, da ist üblicherweise gleich von Gefängnis die Rede, aber ein Priester wird eben mit Samthandschuhen angefasst, wo man sonst gerne nach der Todesstrafe ruft. Die Vorwürfe gegen Vangheluwe sind verjährt, ebenso wie hunderte andere ähnlich gelagerte Fälle. Der Verdacht, dass die Kirche systematisch Mißbrauchsfälle vertuscht, führte im letzten Jahr zu einer Hausdurchsuchungen am belgischen Bischofsitz, die spektakuläre Aktion ist juristisch umstritten. Den gefallenen Bischof hat Rom zur spirituellen Behandlung in ein Kloster an der Loire geschickt. Eine Strafe, die wie ein Urlaub aussieht, klagen die Opferverbände.

 

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