| |
|
Bevölkerungsentwicklung
in der EU, MiJ, 22.11.2008
Die europäische Bevölkerung
wird immer älter, die Geburtenraten gehen zurück. Seit Jahren
sehen die Demographen eine solche als bedrohlich empfundene Entwicklung
für den alten Kontinent, der diese Bezeichnung in ein paar Jahrzehnten
dann ganz besonders verdienen wird. Alle zwei Jahre veröffentlicht
die Europäische Kommission daher einen Demographiebericht, um die
Mitgliedsstaaten auf die auf sie zukommenden Problemen aufmerksam zu machen.
Europa steht bevölkerungspolitisch an einem Wendepunkt, warnt die
Europäische Kommission. Denn die Generation der sogenannten Baby-Boomer,
die in den Fünfzigerjahren geboren wurde, geht demnächst in
Pension. Von jetzt an wird die Zahl der Über-Sechzigjährigen
rascher wachsen, als die arbeitende Bevölkerung.
Zwar gibt es in der Lebenserwartung noch immer ein großes Ost-Westgefälle
in Europa. Aber der Trend ist überall gleich: alle 10 Jahre werden
Europäerinnen und Europäer im Durchschnitt zweieinhalb Jahre
älter.
Auf jede Europäerin kommen statistisch gesehen eineinhalb Kinder,
die Geburtenfreudigkeit ist vor allem in Osteuropa seit dem Fall des Eisernen
Vorhangs dramatisch zurückgegangen. Und diese Tendenz zu weniger
Kindern ist unumkehrbar, ergänzt das Berliner Institut für Bevölkerungsentwicklung.
Denn selbst in jenen EU-Staaten, in denen die Frauen wieder etwas mehr
Kinder haben, wie in Frankreich, Norwegen oder Irland, übersteigt
die Geburtenrate nie 2,1 Kinder pro Frau. Das ist die Zahl, bei der Geburten
die Todesfälle ausgleichen. Und das heißt: ohne Einwanderung
würde Europas Bevölkerung schrumpfen, errechnen die Experten.
In den benachbarten Regionen mit Ausnahme Russlands wächst dagegen
die Bevölkerung, und sie bleibt jung: in Asien, dem Nahen Osten,
in Afrika und auch in den USA.
Die Berliner Bevölkerungsexperten haben sich angesehen, wie sich
Familienpolitik auf die Geburtenrate auswirkt. Und ihr Schluss ist eindeutig:
es macht keinen Sinn traditionelle Familienmodelle zu verteidigen. Im
Gegenteil. Je leichter es Frauen haben im Arbeitsleben zu stehen, desto
öfter bekommen sie Kinder. In Ländern wie Frankreich und Norwegen
mit familienfreundlicher Infrastruktur wie Kindergärten und Ganztagsschulen,
gibt es mehr Babys. Einrichtungen, die es beiden Partnern ermöglichen
zu arbeiten, sind wichtiger als individuelle finanzielle Zuwendungen.
Die meisten EU-Staaten sind seit Jahren Einwanderungsländer. Nur
so kann die Zahl der arbeitsfähigen Bevölkerung auf die Dauer
konstant gehalten werden. Ab 2050 wird die Bevölkerung der EU wahrscheinlich
trotz Einwanderung stagnieren, bei 550 Millionen Einwohnern.
Der Unterschied zu den klassischen Einwanderungsländern USA oder
Kanada: Einwanderer nach Europa sind oft schlecht qualifiziert, und sie
bleiben es auch.
Die Berliner Bevölkerungsexperten verweisen auf die Negativbeispiele
Österreich, Deutschland und die Niederlande, wo die Kinder von Einwanderern
sogar noch schlechter ausgebildet sind, als die Immigrantengeneration
selbst.
Einwanderer besser integrieren und Frauen mit Kindern die Berufstätigkeit
zu erleichtern, das wären die wichtigsten Elemente einer Gegenstrategie.
Die Europäische Kommission fordert aber zusätzlich auch eine
altenfreundliche Gesellschaft. Die Babyboomer über Sechzig sind ein
wichtiges Arbeitskräftepotential, ältere Arbeitnehmer sollten
richtiggehend "in " werden in Zukunft. Senioren sollten in sinnvolle
Tätigkeiten eingebunden werden, das kann von freiwilliger Sozialarbeit
bis zur Erfüllung politischer Aufgaben gehen. Schweden, Dänemark
und die Niederlande sind jene EU-Staaten, die es am besten schaffen ihre
Senioren für die Gesellschaft gewinnbringend einzusetzen.
nach oben,
Fenster schließen
|