Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Biosprit umstritten, MiJ, 14.1.2008

Weil man die Grenzwerte für Autoabgase senken will um den weltweiten Klimawandel zu bekämpfen, boomt weltweit die Produktion von Biosprit. Doch Biologische Kraftstoffe, die aus Raps, Mais, Getreide oder Palmöl produziert werden, kommen jetzt immer mehr unter Verruf. Kritiker bezweifeln den erhofften positiven Einfluss auf den Gesamtausstoß von Treibhausgasen. Jetzt spricht erstmals auch die EU-Kommission davon, dass eigene Zertifikate nötig sein könnten, um sicherzustellen, dass die grünen Produkte wirklich mehr nützen als schaden.
Mindestens zehn Prozent des Treibstoffverbrauchs soll nach den Plänen der Europäischen Union ab 2020 aus Biosprit kommen, dem aus Agrarprodukten oder natürlichen Abfällen produzierten Treibstoff, der schon jetzt immer häufiger dem traditionellen Benzin beigemischt wird. Österreich will dieses Ziel sogar schon zehn Jahre früher erreichen.
Doch jetzt gibt EU Umweltkommissar Stavros Dimas gegenüber dem britischen Nachritensender BBC erstmals zu, dass man die negativen Folgen Konsequenzen einer rasch ansteigenden Produktion von Agrartreibstoffen unterschätzt hat. Denn die wachsende Nachfrage lässt die Nahrungsmittelpreise weltweit steigen, das trifft die Ärmsten und Hungernden der Welt.
Weil Biodiesel aus Palmenöl besonders beliebt ist, wird in Indonesien der Regenwald abgeholzt, auch nicht gerade im Sinn einer nachhaltigen Klimapolitik.
Der Kritik an diesen ungewollten Folgen der Förderung von Biotreibstoff ist von Umweltorganisationen schon seit längerem zu hören.
EU-Umweltkommissar Dimas denkt jetzt an die Öko-Zertifikate, die sicherstellen sollen, dass für die europäische Umweltpolitik nicht die Dritte Welt den Preis zahlt.
Nachhaltigkeit bedeutet, das biosprit nicht aus einem land kommen darf, das Regenwald abholzt um zuckerrohr oder palmöl anzubauen, so der Umweltkommissar.
Wir brauchen also Zertifikate, die sicherstellen, daß so etwas nicht passiert.
Die europäische Landwirtschaft kommt auf jeden Fall mit der Nachfrage nach biologischem Treibstoff nur schwer mit: in Österreich kommen zum Beispiel nur 10 Prozent der Rohstoffe für Biodiesel aus heimischer Produktion, oft kommen die Importe aus Entwicklungsländern. Der UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, der Schweizer Soziologe Jean Ziegler malt dramatisch einen globalen Wettlauf zwischen 800 Millionen Autobesitzern und den zwei Milliarden ärmsten Menschen dieser Erde um Mais, Getreide, Zucker und Palmöl an die Wand.
Glaubwürdige Zertifikate einzuführen, die ein solches Horrorszenario verhindern, wird schwierig. Aber EU-Umweltkommissar Stavros Dimas will am europäischen 10 Prozentziel für Biosprit festhalten.
Nachhaltigkeit und die Produktion von Biotreibstoff müssen einfach in Einklang gebracht werden, so der EU-Umweltkommissar.
Keine derartige Sorgen macht man sich in den USA: die amerikanische Regierung will den Anteil des aus Mais gewonnenen Ethanols an den Zapfsäulen drastisch erhöhen. Das freut die subventionierten Farmer im Midwest, hat aber im benachbarten Mexiko bereits zu einer starken Verteuerung des Grundnahrungsmittels Mais geführt.


 

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