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Biotreibstoffe kritisiert,MiJ,
8.7.2008
Ob Biotreibstoffe, die dem
herkömmlichen Diesel oder Benzin beigemischt werden, wirklich die
erhofften positiven Auswirkungen auf die Umwelt haben, ist seit Monaten
heftig umstritten. Eine unveröffentliche Studie der Weltbank führt
zusätzlich die Preissteigerungen bei Lebensmitteln zu einem großen
Teil auf die neuen Ökokraftstoffe zurück. Jetzt werden auch
in der Europäischen Union immer mehr Stimmen laut, die für einen
Kurswechsel weg von der geplanten raschen Ausweitung des Biotreibstoffanteils
plädieren. Einer der bisherigen Fundamente in der Klimapolitik der
EU wankt.
Auf beachtliche 10 Prozent wollte die Europäische Kommission bis
ins Jahr 2020 den Biosprit-Anteil am europäischen Treibstoffverbrauch
erhöhen. Umweltfreundlich tanken, wenn Benzin oder Diesel nicht nur
aus Erdöl hergestellt wird, sondern auch aus Raps und Soja, Weizen
und Mais, das war eine Idee, die anfangs alle begeisterte. Sowohl grüne
Umweltschützer als auch die Agrarlobby. Den Vorwurf, die reichen
Nationen verarbeiten Nahrungsmittel zu Treibstoff und fördern dadurch
den Hunger in der Welt, wies man zurück. Schließlich sei nur
ein verschwindender Prozentsatz der landwirtschaftlichen Produktion für
Biotreibstoff vorgesehen.
Doch jetzt rückt in Großbritannien erstmals eine EU-Regierung
vomn diesem ambitiösen Ziel ab, bis 2020 10 Prozent aller Treibstoffe
aus landwirtschaftlichen Produkten herzustellen. Eine von der Regierung
in London in Auftrag gegebene Studie sieht negative Auswirkungen für
den Klimawandel. Um Reis, Zucker oder Mais zur Beimischung in europäische
oder nordamerikanische Tankstellen herzustellen, roden Agrarfirmen den
Urwald. Erst wenn man genau weiß, wie groß der Schaden wirklich
ist, soll man die Biotreibstoffproduktion steigern, heißt es im
zuständigen Transportministerium in London.
Die britische Studie verlangt keinen völlige Kertwende in der EU-Strategie,
nur viel langsamer und überlegter soll der Bioanteil gesteigert werden.
In der EU setzt man stark auf Biotreibstoffe der sogenannten zweiten Generation,
die in Zukunft nicht aus Nahrungsmitteln, sondern aus Stroh, Holz oder
Algen hergestellt werden. Doch diese neue Technologie wird erst in ferner
Zukunft zur Verfügung stehen, heißt es in der britischen Regierungsstudie.
Auch im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments in Strassburg
steigen immer mehr Abgeordnete bei den Biotreibstoffen auf die Bremse.
Vertreter aus allen großen Parteieinfamilien möchten den Kurs
auf die magische 10-Prozentmarke erst einschlagen, wenn man über
mögliche negative Folgen genau Bescheid weiß. Statt dessen
sollte die EU verstärkt auf Elektroautos, Wasserstoffautos oder mit
Biogas laufende Fahrzeuge setzen, heißt es im Europäischen
Parlament.
Dagegen hält die Europäischen Kommission, die das Klimapaket
ausgearbeitet hat, offiziell unerschütterlich an ihrer Biotreibstofflinie
noch fest. Die Vorstellung, dass in 12 Jahren Elektroautos oder Fahrzeuge,
die von Wasserstoff-Brennstoffzellen angetrieben werden, die Strassen
Europas prägen, sei unrealistisch. Ohne einen raschen Ausbau der
erneuerbaren Energie, auch an den Zapfsäulen, seien die großen
Klimaziele der EU nicht erreichbar, heißt es in der Kommission.
Gerade wenn die Erdölpreise steigen, sei es wichtig die Abhängigkeit
Europas vom Öl zu reduzieren.
Österreich gehört in der EU zu den Befürwortern des Ausbaus
der Biokraftstoffe, dass sie entscheidend für Preisexplosion bei
Lebensmitteln verantwortlich sein sollen, hält man im Landwirtschaftsministerum
in Wien für nicht bewiesen.
Kommission, Europäisches Parlament und die Mitgliedstaaten müssen
bis Ende des Jahres ein für alle verpflichtendes Klimaschutzpaket
mit fixen Vorgaben ausarbeiten. Spätestens dann muss es auch Klarheit
über die Zukunft der Biotreibstoffe geben.
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