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Blairs Irakkurs
umstritten, ZiB 2, 22.10.2002
Selbst vor dem Allerheiligsten
der britischen Politik lassen sie sich nicht entfernen: sehr zum Ärger
der Regierung Blair stehen Antikriegsaktivisten Tag und Nacht vor dem
Parlament.
Auch Monate der heftigsten Überzeugungsarbeit haben bisher nur bescheidenen
Erfolg gezeigt: mehr als die Hälfte der Bevölkerung stehen dem
harten Blair/Bush Kurs gegen den Irak nach wie vor skeptisch gegenüber,
vor allem ein ein Alleingang ohne UNO ist unpopulär .
An Schulen und Universitäten ist eine neue Antikriegsbewegung entstanden,
die bis in das Herz der regierenden Labour Party reicht.
Manche Leute sind durch die Propaganda der Regierung beunruhigt, aber
die meisten halten das für Unsinn. Vor allem nach dem, was in Bali
passiert ist.
Zum Antikriegslager in Großbritannien zählt auch die starke
islamische Gemeinde. Die Behörden haben vereinzelte fundamentalistische
Gruppen ausgemacht. die offiziellen islamischen Vertreter sagen die Irakkrise
hat ihre Lage noch mehr kompliziert:
Inayat Bunglawala, Rat brit. Moslems:
Die britischen Moslems sind unter Blair besser integriert worden als je
zuvor, aber in der Irakfrage hat Blair unrecht. Wir finden er ist zu nahe
bei Bush und das schadet den britischen Interessen in der islamischen
Welt.
Selbst ein populärer Premier muss für einen Feldzug erst die
Herzen des eigenen Volkes gewinnen. Labour Abgeordnete, die einen Irakkrieg
für unvermeidlich halten, glauben, das das noch lange nicht gelungen
ist.
Frank Field, Labour Abgeordneter:
Es ist einfach undenkbar britische Truppen in den Kampf zu schicken, wenn
es keine klare Mehrheit gibt, die dafür ist. Keine Regierung könnte
das tun. Das heißt der Premierminister muss die öffentliche
Meinung mobilisieren. Ich bin erstaunt, dass er das so spät begonnen
hat.
Auch unter den normalerweise streng konservativen Besuchern dieses Pubs
unweit vom Parlament muss Blair sichtlich noch Überzeugungsarbeit
leisten.
Die meisten Menschen hier sind gegen eine Militäraktion, es gibt
einfach nicht genug Beweise um den Irak wieder anzugreifen.
Auch eine UNO-Resolution kann ein Deckmantel für ein amerikanisches
Vorgehen sein, das sowieso niemand verhindern kann. Aber warum sollen
wir dabei mitmachen?
Tony Blair hat offensichtlich nach wie vor Mühe, die eigene Öffentlichkeit
von seinem Irakkurs zu überzeugen, vor allem dann, wenn Großbritannien
und die USA international isoliert agieren. Daher wäre eine UNO-Resolution
für den britischen Premierminister besonders wichtig. Sie würde
einen amerikanischen Alleingang erschweren und Blair helfen, die eigene
Bevölkerung von seiner Politik zu überzeugen.
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