Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Budgetstreit Rat-Parlament, MiJ, 24.4.2009

In der Europäischen Union ist ein heftiger Streit zwischen zwei der wichtigsten Institutionen ausgebrochen: das Europäische Parlament verweigert dem EU-Ministerrat, also den 27 Mitgliedsstaaten, die Budgetentlastung für das Jahr 2007. Europaabgeordnete sprechen von mangelnder Transparenz und schwarzen Konten und verlangen, wenige Wochen vor den Europawahlen, zusätzliche Informationen über die Finanzgebarung der Mitgliedsstaaten.
Bei dem Disput zwischen dem Europäischen Parlament und dem mächtigen Europäischen Rat der 27 Mitgliedsstaaten geht es nur vordergründig um Abrechnungsmodalitäten und Budgetkontrolle. Denn geprüft werden die Finanzen des mächtigen Rates sowieso vom Rechnungshof der EU. Genauso wie übrigends auch die Finanzen des Parlaments selbst .
Zu dem jetzt vom EU Parlament angezweifelten Budget des Jahres 2007 hat der Europäische Rechnungshof sich schon im vergangenen Herbst positiv geäußert.
Aber einer der wichtigsten Bereiche im Ratssekretariat betrifft die internationalen Aktivitäten der EU unter Außenpolitikbeauftragtem Javier Solana. Das Europäische Parlament verlangt mehr Einfluss in der Außenpolitik der EU. Wir wollen wissen, wofür genau Geld ausgegeben wird bei den EU-Friedensmissionen in Georgien oder im Tschad, heißt es von den Parlamentariern in Strassburg.
Dagegen verweisen die Mitgliedsstaaten auf ein sogenannten Gentlemens Agreement aus dem Jahr 1970, wonach sowohl Rat als auch Parlament sich nicht gegenseitig kontrollieren sondern die Finanzkontrolle dem Rechnungshof überlassen.
Diese bald 40 Jahre alte Praxis sei heute einfach nicht mehr zeitgemäß, argumentieren die Parlamentarier.
Das Parlament hat die Entlastung der Behörde Javier Solanas für das Jahr 2007 vorläufig bis zum Herbst verschoben. Die Abgeordneten möchten Hearings veranstalten und Zugang zu zusätzlichen Dokumente, um die Geldflüsse im Reich Solanas zu überprüfen. Da gäbe es zum Beispiel aufklärungswürdige Budgetposten, die ursprünglich für Übersetzung vorgesehen waren, und letztendlich für Auslandsreisen verwendet worden.
Insgesamt geht es um 650 Millionen Euro, kein riesiger Betrag für die 27 Mitgliedsstaaten mit ihren 500 Millionen Bürgern. Aber in dem Disput geht es um Grundsatzfragen. Das Europaparlament bezieht sein Mandat direkt vom Wahlvolk, der EU-Ministerrat nur indirekt über die demokratisch gewählten Regierungen der Mitgliedsstaaten. Sei Jahren kämpft das Europaparlament um mehr Einfluss auf die anderen Organe der EU. Und dieser Kampf wird wohl nicht ganz zufällig wenige Wochen vor den Europawahlen auf besonders spektakuläre Weise ausgetragen.

 

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