Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Bush-Ansprache zu irakstrategie - Vorschau, ZiB 1, 10.1.2007

Heute Nacht wird Präsident Bush seine lange erwartete Entscheidung über eine neue Irakstrategie bekannt geben. Über Fernsehen wird sich der Präsident an die Nation werden. Eines ist bisher schon bekannt geworden: einen Rückzug, wie ihn manche Demokraten wollen, wird es vorläufig nicht geben. Höchstwahrscheinlich kommen jetzt sogar mehr amerikanische Soldaten in den Irak.
Schon seit zwei Tagen unternimmt das Weiße Haus alle nur denkbaren Anstrengungen, um den Schock zu minimieren. Ausgewählte Senatoren bekommen ihre Vorausinformationen direkt vom Präsidenten. Ein neokonservativer Think Tank verteilt Positionspapiere an die Journalisten. Denn ganz im Gegensatz zu den Erwartungen nach dem Wahlsieg der Demokraten im Herbst denkt George Bush nicht an Rückzug, auch nicht schrittweise, sondern im Gegenteil an einen Ausweitung des amerikanischen Engagements. 20 000 zusätzliche Soldaten will der Präsident in den Irak schicken, heißt es in den Medien. Vor allem die Sicherheit in der Hauptstadt Bagdad soll auf diese Weise wieder hergestellt werden. Ist die Gefahr des Bürgerkrieges eingedämmt, dann will George Bush nach Angaben der New York Times fast eineinhalb Milliarden zusätzliche Dollar in den wirtschaftlichen Wiederaufbau stecken. Um es der Regierung Maliki in Bagdad zu ermöglichen wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen.
Vor allem die geplante Truppenverstärkung stößt auf heftigen Widerstand. Nicht nur bei den Demokraten, die von einem gefährlichen Schritt der Eskalation sprechen. Auch in der militärischen Führung gibt es Gegenstimmen. Denn die amerikanischen Soldaten sind ausgelaugt und bis neue Truppen angeworben und ausgebildet sind, wird es noch Jahre dauern. Nach Vorstellung der neokonservativen Strategen, die sich im Weißen Haus offensichtlich durchgesetzt haben, sollen nicht mehr die irakischen Soldaten, sondern amerikanische Patrouillen für die Sicherheit in den Straßen sorgen. Das würde sie unvermeidlich auch wieder zu leichteren Zielscheiben als bisher machen.
Ziemlich klar verworfen hat George Bush offensichtlich die Empfehlungen der Irak-Studiengruppe unter Ex-Aussenminister James Baker, die ja das Schwergewicht auf Diplomatie mit den Nachbarstaaten legen wollte und einen mittelfristig Teilabzug in Aussicht gestellt hat. Condoleeza Rice, die Aussenministerin wird zwar noch diese Woche zu einer neuerlichen Nahostreise aufbrechen. Aber für den von Baker reklamierten Neuanfang der gesamten amerikanischen Nahostpolitik gibt es keine Anzeichen.
Die Demokraten, die im Kongress ja jetzt die Mehrheit haben, versprechen, es wird keinen Blankoscheck für mehr Truppen geben. Aber wirklich verhindern könnten sie die Ausweitung nur, wenn sie den Streitkräften den Geldhahn zudrehen würden. Und das ist höchst unwahrscheinlich.
Meinungsumfragen bestätigen auf jeden Fall, wie schwer es der Präsident haben wird die Öffentlichkeit für eine Ausweitung zu gewinnen: 61 Prozent der Amerikaner lehnen es vorläufig ab mehr Soldaten in einen Krieg zu schicken, von dessen Sinn sie nicht überzeugt sind.

 

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