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Bush zu umstrittenen Siegesfeiern
nach Europa, MiJ, 6.5.2005
Fuenf Tage lang wird sich
der Praesident in Europa aufhalten. Eine Reise voll der symbolischen Gesten,
von der man aber wohl kaum viel konkrete Ergebnisse erwarten darf. Demonstrativ
besucht George Bush vor und nach der historischen Gedenkfeier am Roten
Platz in Moskau zwei der einst umstrittensten Regionen der ehemaligen
Sowjetunion: das Baltikum, wo der amerikanische Praesident mit den drei
baltischen Staatspraesidenten zusammentrifft, und die georgische Hauptstadt
Tiflis im Kaukasus. Es wird das erste Mal ueberhaupt sein, dass Georgien
einen amerikanischen Praeisdenten begruesst. Die kleine Kaukasusrepublik
wird seit der Revolution der Rosen, die den prowestlichen Praesidenten
Saakashvili an die Macht gebracht hat, von George Bush immer wieder als
Beispiel fuer den Fortschritt der Freiheit angefuehrt. Bei einem Abstecher
in die Niederlande wird er der zu Kriegsende gefallenen amerikanischen
Soldaten gedenken.
Mit der genau ueberlegten Reiseroute ueberbringt der Praesident eine doppelte
Botschaft: trotz der ungewoehnlichen Parade am Roten Platz Seite an Seite
mit Vladimir Putin wollen die USA nicht vergessen, dass der Sieg der Allierten
die Welt zwar vom Nationalsozialismus befreit hat, fuer die Voelker im
Machtbereich Stzlins aber weitere Jahre der Unterdrueckung bedeutete.
Vladimir Putin konnte sich ja trotz sanft vorgebrachter aber unmissverstaendlicher
amerikanischer Wuensche vor diesem Gedenktag nicht zu einer Verurteilung
des Hitler-Stalinpaktes durchringen, der dem Baltikum seine Unabhaengigkeit
geraubt hat und zur Aufteilungs Polens gefuehrt hat.
Eine Militaerparade am Roten Platz, wie sie fuer den kommenden Montag
geplant ist, zu der nicht nur Freunde und Verbuendete geladen sind, sondern
auch Diktatoren und Gegenspieler, ist fuer den amerikanischen Praesidenten
keine einfache Situation. Dementsprechend deutlich moechte George Bush
klarstellen, dass er nicht nur den Sieg ueber Nazideutschland sondern
auch die demokratischen Revolutionen seit dem Ende der Sowjetunion ehrt.
Bilaterale Gespraeche wird George Bush beim grossen Praesidententreffen
in Moskau nur mit dem Gastgeber, Vladmir Putin, fuehren. Das gemeinsame
Vorgehen gegen die nukleare Ruestung Nordkoreas duerfte dabei im Vordergrund
stehen. Aber sehr viel Zeit sieht das Protokoll dafuer nicht vor. Im Weissen
Haus erinnert man daran, dass George Bush heute zum dritten Mal in diesem
Jahr nach Europa faehrt: man will das als deutliches Zeichen fuer das
neue Gewicht der europaeisch-amerikanischen Beziehungen verstanden wissen.
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