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1 Jahr Irakkrieg, ZiB 2, 19.3.2004
Die Bilanz nach einem Jahr faellt sehr gemischt aus in den USA, das Land
ist ziemlich genau in der Mitte geteilt.
46 Prozent der Amerikaner finden nach einer Umfrage, dass der Krieg gerechtfertigt
war, 49 Prozent, also etwas mehr glauben heute, dass die Gruende fuer
einen Krieg nicht gegeben waren. Die Zahlen variieren je nach Umfrage,
aber die Tendenz ist eindeutig.
Dieser Triumph der amerikanischen Waffen, den es im vergangenen Jahr ja
eindeutig gegeben hat, ist ueberschattet durch das Chaos der Nachkriegsentwicklung.
Und der Akt der Befreiung, der derSturz Saddam Husseins war, wird durch
das Glaubwuerdigkeitsproblem ueberschattet, das der Praesident hat, seitdem
man weiss, dass es keine Massenvernichtungswaffen gegeben hat.
Was von amerikanischer Seite auch als bewusste Machtdemonstration gedacht
war, auch gegenueber dem Rest der Welt, hat jedoch in Wirklichkeit deutlich
die Grenzen der USA gezeigt, wenn sie alleine agieren.
Die Amerikaner empfinden die Funktion der alleinigen Besatzungsmacht zunehmend
als Buerde und die Regeirung Busch moechte die ganze Verantwortung in
dieser sehr schwierigen Situation nicht mehr alleine tragen. . Daher die
Bemuehungen die Vereinten Nationen wieder einzubinden. Daher auch der
Schock ueber die spanische Ankuendigung, die Truppen abzuziehen, weil
das genau das Gegenteil dessen waere was man anstrebt, man will ja mehr
und nicht weniger internationale Truppen im Irak.
Aber gleichzeitig ist man nicht bereit die Macht zu teilen und etwa in
die Richtung einer internationalen Verwaltung zu gehen, wie etwa auf dem
Balkan, auch als Uebergangsstufe ist das bis jetzt noch nicht angedacht
worden, und das ist ein Widerspruch.
Das mittelfristige Ziel ist klar: eine proamerikanische Regierung in Bagdad,
so aehnlich wie es das heute in Afghanistan gibt, die formell souverain
ist , von der man aber weiss, dass sie noch rechte lange Zeit auf amerikanische
Truppen angewiesen sein wird.
Aus heutiger Sicht ist der Weg dorthin sicher noch ziemlich weit.
Saddam Hussein selbst befindet sich ja in amerikanischer Kriegsgefangenschaft,
wo weiss man nicht genau. Im Februar hat er das erste Mal Besuch vom Roten
Kreuz gehabt. Das Rote Kreuz hat Briefe an seine Verwandten mitgenommen,
wahrscheinlich seine beiden Toechter, die in Jordanien leben. Eine arabische
Zeitung hat geschrieben, dass er darin bestreitet, dass die Festnahme
im Dezember wirklich so angelaufen ist, wie das die amerikanischen Militerbehoerden
dargestellt haben. Aber dafuer gibt es keine Bestaetigung, genauso wenig
wie daruber, ob er in den Verhoeren aussagt oder nicht, oder was er aussagt.
Ein Prozess gegen Saddam Hussein im Irak wird vorbereitet, aber auch das
ist angesichts der unsicheren Zukunft des Landes wohl noch eine ziemlich
vage Perspektive.
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