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Bush's neue
Irak-Strategie, ZiB 1, 5.9..2002
Erstmals gibt es jetzt einen glaubwürdigen Plan zur Niederringung
des irakischen Diktators. Bush versichert, dass ein
Militärschlag nicht aus heiterem Himmel kommen wird und er beruhigt
die
Verbündeten: Amerika will nicht im Alleingang handeln. Aber ein Zusammenstoß
mit Saddam Hussein ist für ihn unvermeidlich. Wobei sich die amerikanische
Argumentation verschoben hat: klang früher das Ziel eines Regimewechsels
in
Bagdad manchmal wie ein Selbstzweck, so stellt die Regierung Bush jetzt
die Zerstörung möglicher Massenvernichtungsmittel ins Zentrum
der
Argumentation. Ganz so wie die Europaer.
Schon am nächsten Wochenende lädt der Präsident seinen
engsten Verbündeten
Tony Blair zu einem Kriegsgipfel nach Washington. Sogar die in der
Bush-Regierung so ungeliebte UNO soll jetzt eingebaut werden: eine wichtige
Brücke für die skeptischen Europäer. Denn wenn ein UNO-Beschluß
in
irgendeiner Weise die Grundlage für eine Militäraktion wäre,
dann täte sich
sogar das neutrale Österreich leichter, sollte es einmal ein amerikanisches
Ansuchen um die Überfluggenehmigung für Kriegsgeräte in
den Nahen Osten
geben. In der UNO wird es schwierige Verhandlungen geben. Aber George
Bush
hat deutlich gemacht, dass für ihn eine breite politische Allianz
die beste
Grundlage eines militärischen Vorgehens wäre, ähnlich wie
beim ersten
Golfkrieg seines Vaters vor 11 Jahren. Ziel einer solche ALlianz wird
es
sein die Wiederzulassung von Waffeninspektoren zu erzwingen, die chemische,
biologische oder nukleare Waffenanlagen aufspüren und zerstören
sollen. Wenn
solche Inspektorenteams militärisch geschützt sind, von hunderten
alliierten
Soldaten, die an jedem beliebigen Ort ihre Inspektionen durchführen,
dann
rechnet man in Washington, dass es um das irakische Regime bald geschehen
wäre.Sollte Saddam Hussein die Inspektionen weiter ablehnen, dann
würden die
USA das Recht zum militärischen Schlag beanspruchen. AUch wenn dieser
Plan
gelingt, bleiben die Risiken enorm. Aber eine prowestliche Regierung in
Bagdad wäre ein Triumph für die USA und für George Bush
persönlich. Immerhin
befände sich dann der an Ölreserven zweitreichste Staat der
Erde im
Einflußbereich Amerikas.
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