Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Bushs sozialpolitische Erfolge, Morgenjournal, 27.11.2003



Es war ein sichtlich zufriedener George Bush, der sich gestern zum verlaengerten Thanksgiving Wochenende auf seine Ranch in Texas zurueckgezogen hat. Denn die amerikanischen Zeitungen sind ausnahmsweise einig: was diese Woche in Washington DC ueber die Buehne gegangen ist, das war einer der groessten innenpolitischen Erfolge seiner ganzen Amtszeit.
Ganz so wie Bill Clinton einst den Republikanern das Thema der inneren Sicherheit aus der Hand genommen hat, so kann sich der konservative Republikaner George Bush jetzt mit der groessten Ausweitung des Sozialstaates seit Jahrzehnten schmuecken. Zum grossen Entsetzen der Demokraten punktet die konservative Regierung damit in einem Bereich, der eigentlich zur Kernkompetenz der Opposition gehoert.
Mit der diese Woche beschlossenen Reform von Medicare, wie das staatliche Gesundheitssystem fuer Senioren in den USA heisst, will der so oft als rechtslastig kritisierte George Bush in sozialpolitischen Fragen wieder die politischen Mitte zurueckerobern.
Dass Senioren ab dem 65. Lebensjahr im sonst so ungeregelten Amerika krankenversichert sind und zwar nicht bei privaten Versicherungen sondern im staatlichen Medicare-System, das war eine der grossen Errungenschaften der Sechzigerjahre als der Demokrat Lyndon B.Johnson der Armut den Krieg erklaert hatte. Die amerikanische Senioren-Krankenkasse hatte bisher aber einen grossen Haken: Die oft sehr teuren Medikamente, die muessen die Patienten selbst bezahlen. Das wird nach der nun beschlossenen Reform nun anders: ab 2006 uebernimmt Medicare auch einen grossen Teil der Medikamentenkosten fuer Senioren.
Eine riesige Verbesserung, die in Zukunft mit dem Namen George Bush verbunden sein wird und von der sich die Republikaner langfristige Auswirkungen an den Urnen erwarten.
Die Demokraten, die sich eigentlich als Verteidiger des sowieso sehr duennen sozialen Netzes in den USA verstehen, tun sich schwer mit ihren Gegen-Argumenten. Weil die Reform privaten Wettbewerb einfuehrt, wo bisher die staatliche Mecare Krankenkasse alleine zustaendig war, sprechen sie von einer existenzbedrohenden Durchloecherung des gesamten staatlichen Krankenkassensystems. Nicht ohne Grund seien von der Pharmaindustrie bis zu den Spitalserhaltern alle Lobbys der Branche begeistert: sie hoffen auf einen Run auf Medikamente, wenn die Kosten groesstenteils der Staat traegt. Und Preisobergrenzen, die von vielen Demokraten gefordert wurden, die sind jetzt ausdruecklich ausgeschlossen,
Wenn die duesteren Vorhersagen Ted Kennedys, des prominentesten demokratischen Sozialexperten, zutreffen, dann ist mit dieser Reform ein Weg bestritten, der in 10, 15 Jahren zur Aufloesung des gesamten Systems der staatlichen Krankenversicherung fuer Pensionisten fuehren koennte. Aber mit so langfristigen Vorhersagen lassen sich keine Wahlen schlagen. Dass er erstmals in der amerikanischen Geschichte Medikamente auf Krankenschein fuer 40 Millionen Pensionisten durchgesetzt hat, das wird sich im kommenden Wahljahr wohl der amtierende Praesident auf die Fahne schreiben.




 

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