Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Bushs zweite Amtszeit, MiJ, 20.1.2005

In den unbequemen amerikanischen Medien durchkreuzen die schlechten Nachrichten aus dem Irak die die offizielle Festtagsstimmung.
OT Signation Dan Rather
Es ist kalt, es schneit und es regnet Geld, kommentiert CBS-Moderator Dan Rather trocken die maerchenhaften Preise,die fuer die Baelle und Empfaenge zur Amtseinfuehrung bezahlt werden.
Mit nur 49 % Zustimmung hat George Bush zu Beginn seiner zweiten Amtszeit schlechtere Ratings als alle seine Vorgaenger, rechnet der Sender vor.
Es wird eine schwierige zweite Amtszeit, glaubt CBS. Trotz grundsaetzlichen Optimismus glaubt nach wie vor eine Mehrheit der Amerikaner, dass das Land auf dem falschen Weg ist.
Die republikanischen Sieger kuemmern solche Umfragen wenig. George W. Bush geht selbstbewusst in seine zweite Amtszeit, das laesst sich an den ausgedehnten Feiern dieser Woche deutlich ablesen. Er hat sie unter das Motto von Freiheit und Dienst am Land gestellt, wobei mit Dienst ganz klar der Militaerdienst gemeint ist.
Der Dank an die Soldaten steht immer wieder ganz am Anfang bei allen Veranstaltungen.
In den Strassen der amerikanischen Hauptstadt ist der Zugang der Oeffentlichkeit zur traditionellen Parade, der Fahrt des neuen Praesidenten vom Kapitol, wo er den Amtseid ablegt, bis zum Weissen Haus, eingeschraenkt ist, wie noch nie.
Aber das Thema des Antiterrorkampfes, das Bush so erfolgreich in das Zentrum seines Wahlkampfes gestellt hat, ist etwas zurueckgetreten in den politischen Erklaerungen. Sodass der Prasident selbst davor warnen muss, den 11.September mit all seinen Schmerzen und Gefahren zu vergessen.
Die Versuchung ist gross sich in der Bequemlichkeit des normalen Lebens einzurichten, warnt Bush. Aber als Praesident muesse er immer wachsam sein angesichts der zahlreichen Feinde, die da lauern.
Anders als Bill Clinton in seiner zweiten Amtszeit kann sich George Bush auf klare Mehrheiten im Kongress stuetzen. Fuer die Republikaner ist das eine Bestaetigung des bisherigen Kurses und gleichzeitig ein deutliches Mandat fuer die naechsten Jahre.
Und George Bush plant eine aktive Praesidentschaft vorhat. Die Niederringung des Terrorismus und die Ausweitung der Freiheit nennt er als die grossen aussenpolitischen Ziele der USA. Mehr private Verantwortung und weniger Staat ist die innenpolitische Devise. Wobei bisher vor allem ein innenpolitisches Riesenprojekt angekuendigt wurde: die Teilprivatisierung von Social Security, dem einst von Franklin D.Roosevelt eingefuehrten oeffentlichen System von Mindestpensionen.
Dabei sind eingestandenermassen gesellschaftspolitische Ueberlegungen ebensowichtig, wie die erforderliche Anpassung an die laengere Lebenserwartung der Menschen.
Private Pensionskonten bringen uns einer Gesellschaft von Eigentuemern naeher, sagt Bush, und je mehr Menschen etwas besitzen, desto besser fuer das Land.
Dass Privatpensionen Kapital schaffen, das investiert werden kann, ist der zweite Grund.
Allerdings ist der Plan so umstritten, dass niemand in Washington Wetten einzugehen wagt, ob dem Praesidenten das Megaprojekt einer Teilprivatisierung der Sozialpaensionen wirklich gelingen kann.
Praegend wird George Bushs zweite Amtszeit fuer die amerikanische Justiz sein: Hoechstrichter, William Renquist, der heute George Bush heute den Amtseid abnehmen wird, ist schwerkrank. Ebenso wie zwei andere Hoechstrichter koennte er seinen Rueckzug verkuenden. Das wuerde es dem Praesidenten ermoeglichen durch die Nominierung von ihm politisch nahe stehenden Richtern, die Rechtssprechung auf lange Zeit zu beeinflussen. Denn die Obersten Richter werden auf Lebenszeit bestellt.
Seine Projekte muss Bush zuegig angehen: nach den naechsten Kongresswahlen in bereits zwei Jahren, wird er als lame duck gelten, woertlich lahme Ente, weil dann bereits das Rennen um seinen Nachfolger einsetzt.
Freimuetig gibt es der Praesident im Interview zu: es besteht Zeitdruck, wir muessen erfolgreich sein, bevor man mich abschreibt.
Einen Ausblick auf die Aussenpolitik der zweiten Amtszeit Bush gab die zukuenftige Aussenministerin Condoleeza Rice bei ihren Aussagen vor dem Senat. Bei ihr ist jetzt deutlich mehr von Diplomatie die Rede war, als man das bisher von der Regierung gewohnt war.
Dass die Zeit fuer Diplomatie gekommen ist, wie die zukuenftige AUssenministerin beteuert, laesst erwarten, dass sich in Zukunft der Ton gegenueber den Verbuendeten veraendern wird. Die Substanz der amerikanischen Aussenpolitik wird aber gleich bleiben.
Vereinzelt scheut man sich nicht mehr auch Fehler zuzugeben und selbst der Praesident gesteht ein, dass fruehrere markige Sprueche, die Feinde sollten sich nur trauen im Irak, deplaciert waren. Jetzt muss er zugeben: die Bombenleger zeigen Wirkung im Irak.
Der taegliche Terror vor allem vor den Wahlen, die Bomben gegen Kinder und Zivilisten, seien ernst zunehmende PropagandaInstrumente um den Willen des amerikanischen Volkes und der Iraker zu brechen.

Aber die grosse Vision von der sogenannten demokratischen Umgestaltung des gesamten Mittleren Ostens unter dem Druck amerikanischer Waffen ist nach wie vor praesent.
Wie er in den Geschichtsbuechern stehen moechte, wurde der Praesident dieser Tage im Fernsehen gefragt. Der ringt zuerst nach Antwort, um dann zu meinen:
George W. Bush sei der Politiker gewesen, der die Macht Amerikas eingesetzt hat, um der Freiheit im Inneren und nach Aussen zum Sieg zu helfen, das wuerde er gerne in den Geschichtsbuechern der Zukunft lesen.
Nicht ausgeraeumt sind durch solche Bekenntnisse die Sorgen der Bush-Kritiker, dass diese Regierung einen gefaehrlichen Hang zur Realitaetsverweigerung habe, wenn sich die Wirklichkeit als so anders herausstellt, als das in den grossen Plaenen des Weissen Hauses vorgesehen ist.
Aber noch sind die Reserven der Supermacht Amerika lange nicht aufgebraucht.
Zu Beginn der zweiten Amtszeit praesentiert sich die amerikanische Fuehrung der Welt zu Beginn mit ungebrochenem Gestaltungswillen.

 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann