Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Cerberus kauft Chrysler, ZiB 24, 14.5.2007

Wenn Traditonsunternehmen von Heuschrecken gekauft bei uns Aufregung, in USA auch? Wie denken Menschen darueber?
Den Begriff der Heuschrecken fuer solche Finanzinvestoren, den gibt es nicht.
Aber wenn Hedgefonds eine Firma aufkauft, dann beginnt bei der Belegschaft ganz aehnlich wie bei uns das grosse Zittern.
Man fuerchtet sich vor einer Zerschlagung des Unternehmens und davor, was das fuer die Jobs bedeutet.
Normalerweise sind die Gewerkschaften besonders kritisch.
Aber im Fall Chrysler ist das anders.
Sogar die amerikanische Autoarbeitergewerkschaft ist fuer den Deal, die kanadischen Kollegen sind skeptischer.
Die Autoindustrie liegt offensichtlich derart am Boden, dass viele meinen, da muss jemand von aussen her.
Und das ist das wirklich Neue : erstmals wird mit Cerberus ein Hedge Fonds, der normalerweise vor allem mit spekulativen Wertpapieren handelt um der Rendite willen, auch im industriellen Bereich ganz entscheidender Faktor.
Warum Magna nicht zum Zug? Wegen russischem Partner? Strafe, weil mit russischem Partner gegangen?
Magnas geplante Fusion mit Deripaska ist in der amerikanischen Oeffentlichkeit nicht wahnsinnig positiv aufgenommen worden, das stimmt.
Ob wirklich entscheidend fuer Chrysler Verhandlungen, das unklar.
Man kann sich fragen, ob das rein vom zeitlichen Ablauf moeglich ist.
Cerberus und Daimler muessen schon seit Tagen so gut wie handelseinig gewesen sein.
Hochkomplizierte Vereinbarungen, an denen Dutzende Anwaelte gearbeitet haben.
Und von Stronachs Fusion mit Deripaska weiss man erst seit vier Tagen.
Schon bei der Aktionsversaemmlung in Toronto, auffaellig, wie nebenbei Frank Stronach auf das Thema Chrysler eingegangen ist.
Vielleicht hat er damals schon ein Gefuehl gehabt, dass sein Plan nicht aufgeht wird.
Keine Auftrage mehr fuer Manga?
Frank Stronach wollte Chrysler haben, das ist ganz klar.
Dass er diesen Plan nicht verwirklichen kann, das ist sicher keine gute Nachricht fuer Magna.
Was auf jeden Fall erwartet wird von den neuen Eigentuemern, das ist ein groesserer Kostendruck, der wuerde Belegschaft treffen, die Sozialleistungen, aber auch die Zulieferer.
Moeglicherweise wird das auch Magna spueren.
Andererseits: das bisherige Chrysler Management soll bleiben.
Magna hat Know How und das wird Chrysler brauchen.
Man hat eigentlich nie gehoert, dass Magna etwas mit Chryslers Problemen zu tun hat.
Gibt amerikanische Autoexperten, die finden, Magna steht ohne die Belastungen von Chrysler viel besser da und so froh sein nicht die Verantwortung fuer Firma zu haben, von der niemand weiss, ob sie ueberhaupt zu retten ist.


 

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