Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Clinton Memoiren, ZiB 2, 18.6.2004

Ein launiger Ex-Praesident bei der Enthuellung der offiziellen Portraits fuer die Ahnengallerie im Weissen Hauses.
Ueber die Scherze seines sonst oft weniger geschaetzten Nachfolgers kann Bill Clinton an diesem Tag lachen wie schon lange nicht.
Denn der Ex Praesident, dem das grosse Publikum so sehr abgeht, macht wieder Schlagzeilen.
Es ist ganz so, als ob die Nation richtiggehend Sehnsucht haette nach den turbulenten Tage mit Bill und Monica.
Fuer die ClintonMemoiren laeuft die groesste Werbekampagne, die je fuer ein Buch organisiert wurde.
Memoiren gelten als langatmig und selbstverliebt, meine werden hoffentlich auch noch interessant sein.
Eineinhalb Millionen Vorausexpemplare sind verkauft. Die zehn Millionen Dollar Vorschuss verdient. Macht und Sex, das verkauft sich gut.
Beim ersten Fernsehinterview mit Starmoderator Dan Rather geht es vor allem um Monica Lewinsky.
Ich habe da etwas aus den denkbar schlimmsten Motiven getan, einfach weil ich die Gelegenheit hatte. Das ist der moralisch verwerflichste aller Gruende. Um die Ehe mit Hillary zu retten habe es wochenlang psychologische Partnerberatung im Weissen Haus gegeben. Entschuldigung ist das alles nicht.
Das Land harrt weiterer pikanter Details. Die PR fuer sein Buch moechte Clinton auch als Wahlkampfhilfe fuer John Kerry vestanden wissen. Doch ob der so gerne am ueberschaeumenden Charisma seines Vorgaengers gemessen werden moechte, darf bezweifelt werden.
Der ploetzliche Clinton-Boom ist Vermarktungsstrategie und politisches Phaenomen zugleich. In Zeiten der Krise und des Terrorismus erinnert sich Amerika offensichtlich gerne an die friedlichen Neunzigerjahre, als die Wirtschaft boomte und das Sexleben im Weissen Haus das aufregendste Thema war.


 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann