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Dean im
Aufschwung, Mittagsjournal, 11.11.2003
Noch hat kein Waehler seine
Stimme abgegeben und angesichts des unuebersichtlichen Feldes der demokratischen
Praesidentschaftsbewerber ist die Aussagekraft von Meinungsumfragen beschraenkt.
Howard Dean, dem ehemaligen Gouverneur des kleinen Bundesstaates Vermont,
der sich als erster klar gegen den Irakkrieg gestellt hat, ist es diese
Woche aber trotzdem gelungen zum eindeutigen Favoriten der Demokraten
aufzusteigen. Und zwar durch eine richtungsweisende Finanzentscheidung.
Dean verzichtet auf Steuergelder zur Finanzierung seines Wahlkampfes.
Dafuer muss er sich auch nicht mehr an die vom Gesetz vorgeschriebene
45 Millionen Dollargrenze halten und kann Spenden sammeln, so lange er
will und so viel er will. Der Mann aus Vermont stellt sich damit auf eine
Stufe mit George Bush, der seine Kriegskasse so prall gefuellt hat, dass
er es leicht mit allen Demokraten gleichzeitig aufnehmen koennte.
Bei Dean waren es bisher nicht die grossen Spender, die Unternehmen und
Lobbies, die tief in die Tasche gegriffen haben, sondern Hunderttausende
kleine Leute, die 50, 70 oder 100 Dollar beisteuern. Sie sind amerikaweit
ueber das Internet organisiert und haben am Wochenende abgestimmt, ob
ihr Kandidat den finanziellen Balanceakt ohne Netz wagen soll, auf den
staatlichen Zuschuss zu verzichten. Das Votum war eindeutig. Jetzt will
Dean 2 Millionen Bush kritische Amerikaner zu einer 100 Dollarspende bewegen,
damit er der erwarteten Werbeoffensive des Praesidenten entgegentreten
kann.
Wenn das auch nur annaehernd gelingt, waere der Mann aus Vermont auch
seinen demokratischen Mitbewerbern finanziell haushoch ueberlegen. Gleichzeitig
kommt erstmals auch Unterstuetzung aus dem demokratischen Establishment
fuer den Ausseinseiter aus Neuengland. Zwei der groessten Gewerkschaften
des Landes, die Gemeindebediensteten und die Beschäftigten des Dienstleistungssektors
wollen sich diese Woche offiziell auf seine Seite schlagen. Die Gewerkschaften
sind zwar schwach gemessen an der Gesamtzahl der Arbeiter und Angestellten.
In vielen wichtigen Bundesstaaten verfuegen sie jedoch ueber ein unschaetzbares
organisatorisches Netz. Kein demokratischer Kandidat kann ohne ihre Unterstuetzung
bestehen.
Ein Pro Dean Trend in der Gewerkschaftsbewegung ist vor allem fuer Dick
Gephardt bitter, den langjaehrigen Fuehrer der Demokraten im Abgeordnetenhaus,
der ebenfalls Praesident werden moechte. Gephardt hat lange Zeit auf sein
gutes Verhaeltnis zum obersten Gewerkschaftschef John Sweeney gesetzt,
jetzt muss er um diese fuer ihn lebenswichtige Unterstuetzung bangen.
Noch hat er aber genug Freunde in Partei und Gewerkschaft um in den Bundesstaaten,
auf die es zu Beginn der Vorwahlen ankommt, vorne zu bleiben.
Wesley Clark, der ehemalige NATO-Generalsekretaer schneidet zwar in amerikaweiten
Umfrage sehr gut ab. In Iowa und New Hampshire, wo die ersten Weichenstellungen
vorgenommen werden, liegt er jedoch weit abgeschlagen.
Alles deutet daher auf ein Duell zwischen Dick Gephardt und Howard Dean
in den ersten Runden des Vorwahlkampfes in Iowa und New Hampshire im kommenden
Jaenner hin. Anfang Februar ziehen dann South Carolina, Missouri und Arizona
nach. Die letzte Chance fuer Wesley Clark oder die Senatoren Joseph Liebermann
und John Kerry: spaetestens danach werden sich die meisten Bewerbern wohl
mangels Finanzen und Aktivisten zurueckziehen muessen.
Wann auch immer die letzte Runde kommen wird, Howard Dean wird ziemlich
sicher mit dabei sein. Eine ziemliche Leistung fuer einen Politiker, den
noch vor wenigen Monaten kaum jemand gekannt hat in Amerika und der in
den Augen der vorsichtigen Parteigranden der Demokraten Partei auch heute
noch viel zu sehr auf Frontalangriff gegen George Bush setzt.
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