Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Debatte um Reformvertrag, Europajournal, 28.9.2007


Mehr als 30 Seiten umfasst das politische Mandat, auf das sich die Staats und Regierungschefs vor dem Sommer zur institutionellen Reform der EU geeinigt haben. Seither tagen die Juristen, um aus diesem politischen Kompromiss den eigentlichen viele hundert Seiten fassenden Reformvertrag zu zimmern, mit all seinen Anmerkungen, Zusätzen und Verweisen, den die Staats und Regierungschefs in wenigen Wochen beschließen wollen. Elmar Brock, der als Vertreter der christdemokratischen Mehrheitsfraktion im Europäischen Parlament an den Beratungen dieser Regierungskonferenz beteiligt war, bestätigt, dass es auch jetzt noch offene Probleme gibt. Er hält sie aber nicht für unüberwindbar.
OT Brock
Den vorsichtigen Optimismus von Elmar Brock, dem deutschen Christdemokraten teilt auch Jacek Saryusz-Wolski aus Polen.
OT Wolski
Die Europäischen Fragen spielen im polnischen Wahlkampf überhaupt keine Rolle und man kann nur hoffen, dass das so bleibt. Saryusz Wolsk gehört zur europafreundlichen Opposition in Polen. An einen neuen Anlauf der Kaczynski-Brüder wenige Tage vor dem Wahltermin am 21.Oktober glaubt der Abgeordnete nicht.
OT Wolski
Ehhrlich gesagt, ich habe in Polen nichts gehört über mögliche Veränderungen in der Haltung der polnischen Regierung zum Reformvertrag, die mit dem Wahlkampf zusammen hängen. Ich höre diese Fragen nur in Brüssel und in Strassburg. Klar, es gibt Meinungsunterschiede. Meine Partei steht der Regierungspartei kritisch gegenüber und befürwortet eine konstruktivere Europapolitik. Aber das Bild der Regierungspartei in den westlichen Medien ist deformiert. Sie gilt als viel skeptischer oder feindlicher als sie wirklich ist.
Die vorsichtige Zuversicht des christdemokratischen polnischen EU-Abgeordneten Jacek Saryusz-Wolsk wird vom sozialdemokratischen Fraktionsführer im Europäischen Parlament Martin Schulz geteilt.
Schulz sieht vor allem Gefahren beim komplizierten Ratifikationsprozess nach der feierlichen Unterzeichnung. Die frühere EU-Verfassung ist ja in der Ratifikation bei Volksabstimmungen in Holland und Frankreich gescheitert.
OT Schulz
Dem Gedanken einer gesamteuropäischen Volksabstimmung, um den Reformvertrag in Kraft treten zu lassen, gibt der Sozialdemokrat Martin Schulz wenig Chance auf Realisierung.

OT Schulz
Die Skepsis des Sozialdemokraten Martin Schulz gegenüber Referenden ist auch beim österreichischen Grünen Johannes Voggenhuber nicht zu überhören. Voggenhuber war als Vertreter des Europäischen Parlaments führend an der Ausarbeitung der nun überarbeiteten Verfassung beteiligt. Mit dem neuen Reformvertrag kann er sich nur schwer anfreunden.
OT Voggenhuber
Die Probleme der EU sind für den grünen Johannes Voggenhuber auf eine unzureichende demokratische Legitimität und die Machtansprüche der Mitgliedsstaaten zurückzuführen.
OT Voggenhuber
Voggenhuber hatte bei der Ratifikation eine gesamteuropäische Volksbefragung begrüßt, als grenzüberschreitende Begleitung einer rechtlich bindenden Bestätigung des neuen Vertrages durch die Mitgliedstaaten. Für die Idee bindender Referenden hat er wenig übrig.
OT Voggenhuber
Ganz anders die Sicht des FPÖ-Abgeordneten Andreas Mölzer, der im Europäischen Parlament zu einer Rechtsaussenfraktion gehört und eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen NDP anstrebt.
OT Mölzer
Rechtsaussen Mölzer verlangt auch für Österreich eine Volksabstimmung
OT Mölzer
Ein ausgesprochen pessimistisches Bild der Situation der EU zeichnet der unabhängige österreichische EU-Abgeordnete Hans Peter Martin. Die Überzeugung, dass in Europa Fortschritte immer nur über schwierige Kompromisse und endlose Verhandlungen möglich sind, teilt Martin nicht.
OT HPM
Hans Peter Martin lehnt den Reformvertrag ab. Die Ablehnung von Referenden sieht er als Beweis für das Demokratiedefizit der EU.
OT HPM
27 Volksastimmungen auf nationaler Ebene, das wäre ein weiterer Schritt zur Renationalisierung der europäischen Politik, argumentiert dagegen der Chef der liberalen Fraktion im Europäischen Parlament Graham Watson.
OT Watson
Der liberale Graham Watson bleibt auch in der Europapolitik der Tradition der repräsentativen Demokratie verbunden.
OT Watson
Graham Watson, der Chef der liberalen Fraktion im Europäischen Parlament hofft, dass die blockierte Situation der letzten Jahre durch einen Erfolg des Reformvertrages behoben werden kann.
Sollte es bis Ende des Jahres doch nicht zur erwarteten Unterzeichnung kommen, sehen die Vertreter beider großen Fraktionen im Europäischen Parlament schwerwiegende Folgen.
Der Sozialdemokrat Martin Schulz.
OT Schulz
Ähnlich dramatisch schätzt der Christdemokrat Elmar Brock die Konsequenzen eines möglichen Scheiterns ein.
OT Brock
Aber eine derartige krisenhafte Wendung will sich im Europäischen Parlament zur Zeit niemand wirklich vorstellen. Es überwiegt vorsichtiger Optimismus.



 

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