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Debatte um US-Syrienstrategie,
MoJ, 5.3.2005
Revolutionen kennen keinen
Stillstand. Sie gehen voran oder sie sterben ab. Mit der Zedernrevolution
im Libanon sehen wir den Beginn einer glorreichen Bewegung die den ganzen
Nahen Osten veraendern wird, liest man in der Washington Post.
Der Autor ist Charles Krauthammer, einer der einflussreichsten neokonservativen
Vordenker des Landes, seit Jahren bekannt fuer seine scharfzuengigen Angriffe
auf alles, was als links gilt in den USA.
Doch jetzt scheint alles auf den Kopf gestellt, im Amerika George Bushs.
Laengst vergessene weltrevolutionaere Parolen von frueher feiern ein spektakulaeres
Comeback im konservativen Lager.
Die demokratische Revolution, die den Nahen Osten jetzt erfasst hat, hat
nach Ansicht der amerikanischen Neokonservativen mit den freien Wahlen
in Afghanistan und im Irak begonnen. Es folgte der Sieg des gemaessigten
Mahmoud Abbas bei den Palaestinensischen Wahlen und der Beginn einer Demokratiebewegung
in Aegypten.
Wird Syrien gezwungen sich aus dem Libanon zurueckzuziehen, dann koennte
das zum Sturz des Assad Regimes in Damaskus fuehren, prophezeit Krauthammer.
Und damit waere die gesamte Region von den Ufern des Mittelmeeres bis
zur iranische Grenze auf dem Weg zur Demokratie.
Schon lange nicht mehr klangen die Vordenker der Regierung Bush so zuversichtlich
wie jetzt. Sie hatten sich immer schon vom Sturz Saddam Husseins eine
Dominoeffekt erwartet, der an die Stelle der Diktaturen der arabischen
Welt prowestliche Demokratien stellen wuerde. Dieses Ziel scheint nun,
mit der Volksbewegung im Libanon und der Schwaechung des syrischen Regimes
in greifbarer Naehe.
Nur ja nichts ueberstuerzen auf dem Weg nach Damaskus, warnt dagegen der
Nahostexperte Flynt Leverett in der New York Times. Sollte der syrische
Praesident Bashar al Assad stuerzen, dann waere nicht Demokratie, sondern
Chaos die Folge, und das wuerde vor allem islamischen Fundamentalisten
nuetzen. Selbst eine prowestliche Regierung in Beirut nach dem Abzug der
Syrer haelt der vorsichtige Experte fuer unwahrscheinlich: schliesslich
sei im Libanon die Partei der Gotteskrieger Hezbollah einer der wichtigsten
Machtfaktoren. Hesbollah gilt in den USA als gefaehrliche Terrororganisation.
Verhandlungen mit dem syrischen Regime sei dem gegenwaertigen Konfrontationskurs
vorzuziehen, argumentiert der Nahostexperte Leverett.
Solche Einwaende weisen die neokonservativen Vordenker des Praesidenten
als kleinmuetig und konterproduktiv zurueck. Wenn die Berliner Mauer der
arabischen Welt faellt, dann kann man sich doch nicht auf Deals mit den
verhassten Diktatoren von gestern einlassen, haelt Charles Krauthammer
den Zweiflern entgegen.
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