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Differenzen USA-EU, ZiB 1,
14.3.2009
Groß Gerald (ORF)
Eine Krise, zwei Wege damit umzugehen - wir schalten dazu nach
Washington und Brüssel. Raimund Löw in Brüssel, warum sind
denn
die Europäer im Vergleich zu den Amerikanern so zurückhaltend?
Löw Raimund (ORF)
Die Europäer sagen, die Krise hat in Amerika begonnen, die USA
haben ihre Vormachtstellung als Weltfinanzmacht verloren, und da
besteht jetzt überhaupt kein Grund auf amerikanische Ratschläge
in
der Wirtschaftspolitik einzugehen. Und die Europäer bestreiten
auch die Zahlen: Sie sagen, wenn man genau hinsieht, tun die
europäischen Regierungen genauso viel gegen die Krise wie die USA
- wenn man nämlich die Sozialausgaben dazuzählt, die zusätzlichen
Ausgaben für Arbeitslose, die zusätzlichen Ausgaben für
Kurzarbeit, die in Europa nicht Teil der Konjunkturpakete sind,
weil sie zum normalen sozialen Netz gehören, das ja viel stärker
ist als in den USA. Aber es gibt in den europäischen Hauptstädten
schon auch Zweifel daran, ob es wirklich die richtige Therapie ist
für die Krise, mehr Geld auszugeben und Schulden zu machen. In der
Geldpolitik sind die europäischen Regierungen zurzeit
konservativer als die Regierung Obama.
Groß Gerald (ORF)
Nadja Bernhard in Washington, die Kritik der Amerikaner haben wir
gehört, was genau wirft man denn in Washington jetzt den Europäern
vor?
Bernhard Nadja (ORF)
Nun, in den Augen der Amerikaner haben die, waren die Antworten
der Europäer bisher zu lasch. Ich glaube, wir waren alle
überrascht darüber, wie harsch Obama Europa kritisiert hat zu
Wochenbeginn. Er hat gemeint, dass alle Bemühungen der USA, diese
Krise in den Griff zu bekommen, blockiert werden, wenn Europa da
nicht mitzieht und wenn Europa da nicht mehr investiert. Sein
Wirtschaftsberater Lawrence Summers ist noch weiter gegangen, hat
gemeint, dass China und die USA hier nicht alleine dafür sorgen
könnten, dass die Weltnachfrage wieder anspringt. Vorgestern wurde
diese Kritik ein wenig abgeschwächt, Obamas Pressesprecher hat
gemeint, dass Obama natürlich die Zusammenarbeit der Europäer
suchen wird, dass man beim G20-Gipfel jetzt nicht nach, auf Zahlen
oder auf Zusagen von Europa pochen wird, aber für Diskussionsstoff
ist gesorgt. Denn für die USA haben Konjunkturpakete absolute
Priorität und Regulierungsfragen, wie sie den Europäern so sehr
am
Herzen liegen, die sind hier in Washington, die werden als
zweitrangig eingestuft.
Groß Gerald (ORF)
Raimund Löw, wie sehr überschattet nun dieser Strategiekonflikt
den bevorstehenden G20-Gipfel?
Löw Raimund (ORF)
Die Gefahr besteht, auch wenn alle wissen, dass es auf eine
globale Krise eine globale Antwort geben muss: Es wäre sicher kein
gutes Signal, wenn beim ersten Zusammentreffen des neuen
amerikanischen Präsidenten mit den wichtigsten europäischen
Regierungschefs ein wirtschaftspolitischer Disput ausbrechen
würde. Daher bemüht sich Gordon Brown, der britische Gastgeber
auch so sehr um eine gemeinsame Haltung. Man ist sich relativ nahe
gekommen, was gemeinsame neue Regeln für die Finanzmärkte
betrifft, da ist Obama den Europäern näher als das sein Vorgänger
Bush war, aber in der Konjunkturpolitik, da muss man noch
diskutieren.
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