| |
|
EU hilft Ungarn, AJ, 28.10.2008
Unverhältnismäßig
stark sind in Europa von der gegenwärtigen Finanzkrise jene Staaten
betroffen, in der der Euro nicht eingeführt wurde. Zu den Problemen
der Banken und der Gefahr eines Wirtschaftsabschwungs kommt auch noch
eine Währungskrise hinzu. Besonders groß sind die Schwierigkeiten
Ungarns, der ungarische Forint verliert an Wert und die Regierung in Budapest
muss beim Internationalen Währungsfonds in Washington um Hilfe anklopfen.
Aber auch in der EU läuft die Hilfe an.
Mit außerordentlichen Krisengipfeln hat der französische Ratspräsident
Sarkozy die EU auf gemeinsame Abwehrmaßnahmen der Mitgliedsstaaten
gegen die Finanzkrise eingestellt. Jetzt folgt die Europäische Kommission
mit Solidaritätsmaßnahmen für jene, die außerhalb
des Schutzschildes der Gemeinschaftswährung Euro stehen. Als erstes
wird die EU Ungarn beistehen. Ähnlich wie der Internationale Währungsfonds
verhandelt die Kommission mit der Regierung in Budapest über ein
milliardenschweres Darlehen, das helfen soll die ungarischen Zahlungsbilanzprobleme
zu meistern. Genaue Beträge will man in den nächsten Tagen bekannt
geben.
Die letzte derartige Hilfsmaßnahme liegt mehr als 15 Jahre zurück.
Damals wurde Italien vorübergehend mit 8 Milliarden unterstützt.
Diese Gelder kommen nicht aus dem regulären EU-Budget, sondern die
EU borgt dieses Kapital selbst. Weil alle 27 Mitgliedsstaaten dahinterstehen,
sind die Bedingungen aber um vieles günstiger, als sie ein in Turbulenzen
geratener Staat wie Ungarn alleine erhalten würde.
Auch die Europäische Zentralbank hat bereits außerhalb des
Euroraums geholfen. Nicht nur Ungarn, sondern auch Dänemark, das
einst den Euro per Volksabstimmung abgelehnt hat, musste bei den Frankfurter
Zentralbankern anklopfen. Die dänische Krone steht unter Druck, der
ungarische Forint ist stark gefallen.
Die EU-Nothilfe ist an Bedingungen geknüpft, ähnlich wie die
Gelder des Internationalen Währungsfonds. Die Regierung in Budapest
muss jetzt ein schmerzliches Sparbudget erstellen, damit das Defizit unter
Kontrolle bleibt.
In Brüssel schließt man nicht aus, dass auch andere EU-Staaten
auf solche Krisengelder zurückgreifen werden. Es geht dabei nicht
nur um Solidarität, sondern auch um das Interesse aller Europäer,
das Funktionieren des gemeinsamen EU-Marktes nicht zu gefährden.
nach oben,
Fenster schließen
|