Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU zu Kopenhagener Debakel, MoJ, 22.12.2009

Was ist schief gelaufen bei der Klimakonferenz in Kopenhagen? Diese Frage stellen sich Regierungen und Umweltpolitiker in zwischen auf allen Kontinenten. Besonders gefordert ist die Europäische Union, die den Kampf gegen den Klimawandel zu einem wichtigen Schwerpunkt gemacht hat. Heute treffen in Brüssel die Umweltminister zu einer ersten Bilanz zusammen.
Trotz aller Enttäuschung über das chaotische Ende in Kopenhagen wollen die Europäer bei den Grundsätzen ihrer Klimapolitik bleiben, das beteuert man in Brüssel. Das Ziel einer 20-prozentigen Reduktion der Treibhausgase, das sich die EU bis 2020 gesetzt hat, war sowieso als einseitige Maßnahme gedacht. An eine Zubesserung auf 30 Prozent, die im internationalen Gleichklang geplant war, ist jetzt allerdings nicht mehr zu denken.
Dass Kopenhagen so unbefriedigend geendet hat, führt man in der EU auf zwei Faktoren zurück: die unnachgiebige Haltung Chinas, das jeden Hinweis auf bindende Regeln verhinderte. Immer wieder seien die Verhandlungen blockiert gewesen, weil Verfahrensfragen zu riesigen Hindernissen aufgebauscht wurden. Als Barack Obama und Chinas Premier Wen einem politischen Kompromiss zugestimmt haben, an dem auch die Europäer inhaltlich beteiligt waren, verhinderte eine ganz kleine Staatengruppe um Venezuela und Bolivien, Nikaragua und dem Sudan, dass die Konferenz diesen Text auch formal annahm. Hugo Chavez, der Revolutionsführer des ölreichen Venezuelas, war nach dieser Version die treibende Kraft des Debakels der letzten Stunden in Kopenhagen. Das Einstimmigkeitsprinzip bei derartigen UNO-Konferenzen müsse man in Zukunft überdenken, heißt es in Diplomatenkreisen, schließlich hätten 185 der 193 anwesenden Staaten den Kompromisstext unterstützt.
Der wichtigste Termin, an dem abzulesen sein wird, was der Kompromiss von Kopenhagen wert ist, wird aus EU-Sicht der 1.Februar 2010 sein. Dann wird bekannt werden, welche freiwilligen Reduktionsziele den Vereinten Nationalen gemeldet werden. Daraus lässt sich errechnen, ob es möglich sein wird auf diesem Weg die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen.
Nicht aufgeben wollen die Europäer das Ziel eines rechtlich bindenden Abkommen, schließlich brauche gerade die Wirtschaft dringend die Sicherheit zu wissen, welche internationalen Regeln in Zukunft gelten werden. Spätestens bei der Klimakonferenz in Mexico City Ende des Jahres will man die Frage wieder aufs Tapet bringen. Dann werden vielleicht auch die USA schon weiter sein. Hat doch Barack Obama in Kopenhagen versichert, dass er sich um ein amerikanisches System mit Verschmutzungszertifikaten bemühen wird, unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen der letzten Woche.

 

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