Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Amerikagipfel, MoJ, 3.11.2009



Zu EU-USA-Gipfel sind heute im Weißen Haus EU-Ratspräsident Reinfeldt und Kommissionspräsident Barroso zu Gast. Was seit Jahren Routine ist, bekommt diesmal große Aktualität, denn in wenigen Wochen beginnt der Kopenhagener Klimagipfel, dessen Ausgang ganz wesentlich von einem Zusammenspiel zwischen Europa und Amerika abhängen wird.
Dass Barack Obama noch immer ein Superstar ist in Europa, das war zuletzt beim überraschenden Friedensnobelpreis für den amerikanischen Präsidenten zu sehen. Nach wie wäre ein europäischer Politiker vom Format des amerikanischen Präsidenten der Traum vieler Bürger.
Aber zum Feiern ist trotzdem niemand zu mute, wenn die EU-Führung zum ersten Mal unter der neuen Administration das Weiße Haus betritt. Zu viele Probleme haben sich in der kurzen Zeit angehäuft. Trotz aller Bemühungen ist es Barack Obama bisher nicht gelungen das Gefangenenlager von Guantanamo zu schließen. Aber auch die Europäer konnten sich nicht dazu durchringen eine größere Zahl unschuldig Inhaftierter zu übernehmen.
Immerhin: in der Finanzkrise haben Europäer und Amerikaner gemeinsam agiert. Ein erfolgreiches transkontinentales Krisenmanagement, ohne das die gegenwärtige Erholung der Wirtschaft nie möglich gewesen wäre.
An dieser Erfahrung möchte die EU bei der bevorstehenden Klimakonferenz in Kopenhagen anknüpfen. Fredrik Reinfeldt, der amtierende Ratspräsident aus Schweden, sagt, er erwartet von den USA eine fixe Verpflichtung zur Reduktion der Treibhausgase genauso, wie finanzielle Zusagen für klimafreundliche Technologien in den Entwicklungsländern. Schließlich versteht Barack Obama die drohende Gefahr des Klimawandels, ganz anders als der Vorgänger George Bush.
Aber längst geht es um die schwierigen Details. Ein Aluminiumhersteller darf in den USA einfach nicht weniger zahlen müssen, für seinen Co2-Ausstoß, als in Europa, sonst stimmt der Wettbewerb nicht mehr, heißt es in Brüssel. Ob der Kongress in Washington rechtzeitig vor Kopenhagen grünes Licht für ein System fixen Reduktionszielen und teuren Verschmutzungszertifikaten wie in Europa , das ist allerdings fraglich.
Viel drängender als die Klimakrise ist für die amerikanische Seite die Aufstandsbewegung in Afghanistan. Hier hat Europa wenig anzubieten. Zwar stehen mehrere tausende europäische NATO-Soldaten am Hindukusch, bei der Suche nach einer neuen Strategie bleiben die USA aber weitgehend alleine. Die Europäische Union hat es bisher nicht einmal geschafft für eine ernsthafte Polizeiausbildung in Afghanistan zu sorgen.
Die einstigen Versuche der Bush-Administration, alte und neue Mitgliedsstaaten der EU gegeneinander auszuspielen, gehören der Vergangenheit an. Präsident Obama sieht die Welt nicht mehr ausschließlich durch die Brille der Supermacht USA. Aber Europa und Amerika müssen trotzdem in vielen globalen Fragen mühsam um eine gemeinsame Linie ringen.



 

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