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EU-Außenminister kritisieren
Afghanistanangriff, ZiB 1, 5.9.2009
Spera Danielle (ORF)
Raimund Löw in Stockholm: Distanziert sich die EU von einem
Krieg, den die eigenen Generäle führen?
Löw Raimund (ORF)
Es hat heute tatsächlich ungewöhnlich ungeschminkte Kritik an
dieser Art der Kriegsführung in Afghanistan gegeben durch die
Außenminister der EU. Wobei die Europäische Union selbst ja
nicht
militärisch engagiert ist - die EU hilft beim zivilen Aufbau. Aber
natürlich gibt es viele politische Verflechtungen zur NATO. Carl
Bildt, der schwedische Außenminister, der die allgemeine Meinung
der 27 zusammenfasst, sagt, dieser Luftangriff war eine Tragödie,
ganz unabhängig davon, wie viele der Toten Zivilisten sind, wie
viele Taliban-Kämpfer sind, denn das ist ein Konflikt, in dem der
Westen nicht gewinnen kann, indem er möglichst viele Feinde tötet,
sondern indem man die Zivilbevölkerung gewinnt. Und solche
Angriffe bewirken natürlich genau das Gegenteil.
Spera Danielle (ORF)
Wird angesichts der wachsenden Kritik nicht eigentlich auch die
Frage gestellt, ob nicht das gesamte Afghanistan-Engagement neu zu
überdenken sei?
Löw Raimund (ORF)
Keiner der Außenminister hier hat gesagt, man sollte Afghanistan
aufgeben oder in diese Richtung denken. Ganz im Gegenteil: Spanien
will seine Truppen verstärken, Großbritannien denkt ähnlich.
Aber
in der Bevölkerung vieler Staaten Europas wird dieser Krieg immer
unpopulärer. Die Zeiten sind ganz offensichtlich vorbei, in denen
der Afghanistan-Krieg sozusagen der gute Krieg war im Gegensatz
zum Irakkrieg - weil die Vereinten Nationen Ja gesagt haben, weil
von dort tatsächlich die Al-Kaida-Angriffe ausgegangen sind. Heute
vergleichen immer mehr Experten die Situation der NATO-Soldaten
mit jener der sowjetischen Truppen vor 30 Jahren. Die Regierungen
geben Durchhalteparolen aus und man hofft, durch eine veränderte
Strategie doch noch erfolgreich sein zu können.
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