Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Finanzminister, Vorschau, MoJ, 11.7.2011


Die Finanzminister der Eurogruppe werden heute in Brüssel neuerlich über die Griechenlandkrise beraten. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Banken und Versicherungen an neuen Rettungspaketen beteiligt werden können, ohne dass das Land in eine riskante Zahlungsunfähigkeit getrieben wird. Formell verabschiedet wird der in den letzten Monaten ausgehandelte permanenten Eurostabilisierungsfonds, der ab 2013 den bisherigen provisorischen Schutzschirm ersetzen soll. Obwohl eine chaotische Staatspleite Griechenlands diesen Sommer abgewendet ist, wird die Situation nicht einfacher in der Eurozone. Zuletzt sind die Risikoaufschläge für Staatspapiere Italiens in die Höhe geschnellt, eine Volkswirtschaft, die so groß ist, dass alle bisherigen Stabilisierungsmechanismen überfordert wären. Immer unklarer ist auch, wie man bei einer mittelfristigen Finanzhilfe an Griechenland Banken und Spekulationsfonds zur Kasse bitten kann, ohne dass die mächtigen Ratingagenturen zurückschlagen und das Land für zahlungsunfähig erklären. Ende der Woche werden auch noch die Stresstests der 91 größten Banken veröffentlicht. Schon vor Beginn des Finanzministertreffens ruft EU-Ratspräsident Herman van Rompuy die wichtigsten finanzpolitischen Akteure zu einer Vorbesprechung nach Brüssel. Die heute Nachmittag ist dann die Unterzeichnung des Vertrages über den ständigen Eurostabilisierungsmechanismus durch die Finanzminister geplant, der letzte Formalakt eines langen Verhandlungsmarathons. 700 Milliarden Euro wird dieser ab 2013 geplante finanzielle Schutzschild groß sein, der Europa sicherer machen soll vor den Finanzstürmen der globalisierten Welt. Österreichs Anteil entspricht der Wirtschaftsleistung des Landes. 450 Millionen werden fünf Jahre lang aus dem österreichischen Budget in die Kapitalbasis des Fonds fließen, für einen Garantieanteil von 17,3 Milliarden wird Österreich gerade stehen. Grundlage ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der durch die 17 Parlamente der Eurostaaten noch ratifiziert werden muss. Von Neuem werden die Finanzminister heute auch nach Wegen suchen private Banken und Versicherungen an der Griechenlandhilfe zu beteiligen. Zu einer Art freiwilligem Zwang sagt die mächtige amerikanische Ratingagentur Standard and Poors nein. Zahlen die Banken unter dem Druck der Regierungen mit, käme das einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gleich, so tönt es aus New York. Ein Risiko, das die Europäer bisher vermeiden wollten und vor dem die Europäische Zentralbank eindringlich warnt. Doch in den letzten Tagen ist der niederländische Finanzminister ausgeschert: wenn eine solche Zahlungsfähigkeit zeitlich begrenzt ist und vielleicht nur wenige Tage dauert, könnten die Folgen beherrschbar bleiben, so heißt es in Den Haag. Eine Diskussion, die sehr technisch klingt, die aber Europas Regierungen vor Augen führt, wie schwierig es ist die Welt der Finanzen mit den bisher üblichen Mittel zu kontrollieren. An den Stresstest, die kommenden Freitag für Europas 91 größte Banken veröffentlicht werden, wird abzulesen sein, wie gut die Institute für neue wirtschaftliche Einbrüche gerüstet sind. Ein früherer Test vor einem Jahr galt als viel zu wenig streng. Bis zu zwei Dutzend Banken könnten diesmal durchfallen. Die Ratingagentur Moodys zählt auch die österreichische Volksbanken AG zu den Wackelkandidaten. Die Minister müssen einen verbindlichen Fahrplan erstellen, wie Banken, die als zu schwach befinden wurden, aufgerüstet werden können.

 

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