Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Gipfel und Geiselnahme, ZiB 9, 14.3.2008


Diese dramatische Wendung hat für die österreichische Delegation
in Brüssel natürlich alles überschattet seit gestern Nacht. Der
Krisenstab, der tagt ja in Wien, im Außenministerium, aber die
Regierungsspitze ist hier beim EU-Gipfel, da gibt es dauernde
Kontakte. Man hat auch gestern am Rande des Gipfels versucht, mit
Vertretern jener Staaten Kontakt aufzunehmen, die über mehr
Erfahrung in Nordafrika verfügen und die vielleicht auch in der
Vergangenheit, in der unmittelbaren Vergangenheit, mit ähnlichen
Entführungsfällen konfrontiert waren - man denkt an Frankreich,
das über eine lange Tradition der Verbindungen in Nordafrika
verfügt und vielleicht auch über nachrichtendienstliche Kanäle
zurückgreifen kann, oder auch an Deutschland, das im Jemen
ähnliche Situationen zu meistern hatte. Aber grundsätzlich weiß
man, in der Europäischen Union gilt das Prinzip der gegenseitigen
Hilfe, wenn EU-Bürger in Not geraten sind, aber letztlich tappen
in solchen Fällen doch dann immer alle sehr im Dunkeln.
Marchetti Tiba:
Kann Österreich sonst noch irgendetwas machen? Es geht ja
immerhin um politische Forderungen.
Löw Raimund: Das sind Forderungen - die Außenministerin hat es gesagt - , die
natürlich Österreich unmittelbar nicht erfüllen kann, aber wenn
man andere, frühere Fälle als Beispiel nimmt, dann weiß man, im
Hintergrund wird man mit den Staaten, die hier etwas tun könnten,
verhandelt. Vielleicht ist hier die Möglichkeit, den Terroristen
entgegen zu kommen, obwohl man immer sagt, mit Terroristen
verhandelt man nicht, kommt es dann immer, doch immer wieder zu
solchen Prozessen. Es hat auch Fälle gegeben, wo man Lösegeld
gezahlt hat. Aber das ist natürlich alles vollständige
Spekulation. Im Außenministerium sagt man, man geht eher in die
Richtung einer Informationssperre, denn das sind sehr, sehr
sensible Fragen und sehr,. sehr sensible Verhandlungen.



 

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