Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Gipfel zu Eurostabilisierung, MiJ Talk, 24.3.2011


Deutschland, das ja bei Rettungsaktionen das meiste zahlt, versucht also in Brüssel, noch etwas herauszuholen. Raimund Löw, die Deutschen sind aber bei weitem nicht die einzigen, in Finnland gibts Widerstand und auch in Österreich, die nationalen Parlamente müssen diesen neuen Rettungsschirm ab 2013 ja noch absegnen, wie fix ist dieser 700 Milliarden-Schutzschirm also?
Der Schutzschirm ist fix, das sind Nachzugsgefechte, die zu einer Verzögerung bis zum Sommer führen werden, die aber nicht den Kern der Sache betreffen.
Das sehen auch die Märkte so.
Es hat ganz eindeutig der Druck der Finanzkrise nachgelassen. In großen teilen Europas Wirtschaft aus tiefem Loch herausgefunden. Die Europäer gezeigt, dass sie im Krisenfall helfen - Griechenland, Irland. Daher Euro letzten Wochen zugelegt.
Dieses Stabilisierungspaket, das aus vielen teilen besteht, hat da wesentlichen Anteil an wieder gewonnener Glaubwürdigkeit der EU. Von Euro Rettungsschirm, den es vor Griechenlandkrise nicht gegeben hat, bis zu Verschärfung des Stabilitätspaktes und stärkeren Koordinierung der Wirtschaftspolitik.
Was es nicht geben wird bei diesem Gipfel, das ist ein Big Bang, der alles anders macht. Das ist ja auch nie so in Europa, da geht es immer um Prozesse, um eine bestimmte Richtung, weil immer wieder innenpolitische Entwicklungen der Nationalstaaten hineinspielen.
Ein Kritikpunkt an diesem Krisenmechanismus ist, dass Sanktionen fehlen. Zwar ist jede Hilfe und soll es auch in Zukunft sein - mit harten Sparauflagen verbunden. Aber wirkliche Sanktionen gibts nicht? Besteht da nicht die Gefahr, dass immer größere Rettungspakete geschnürt werden müssen und die Schulden immer weiter wachsen?
Ob die Schulden wachsen und in welchem Ausmass die Schulden wachsen, das wird zwar von Sparmassnahmen abhängen, aber nicht nur. Genauso wichtig ist es, dass es wieder zu einem Wirtschaftswachsum kommt vor allem in den Südstaaten.
Das ist der Mix um den gerungen wird in Irland, in Griechenland, jetzt auch in Portugal: Sparauflagen dürfen nicht dazu führen, dass Wirtschaft völlig erstickt wird, sonst Schulden nie zurückzahlen, davon hat niemand etwas.
Daher: Felxibilität mit Griechenland, Zinsen geringer und längere <Laufzeiten. Mit irland noch verhandlet.
Und wie auch immer Portugal ausgeht, auch dort wird es um Bedinungenen gehen, wenn Hilfe nötig.
Sparen müssen alle, die einen können's auch, Deutschland, Österreich, und bei anderen geht aber offenbar nicht mehr viel, Beispiel Griechenland und jetzt auch Portugal, wo die Regierung an den Sparplänen gestern zerbrochen ist. Regierungschef Jose Socrates muss gehen, weil die Opposition seinen Kurs nicht mittragen will.
Raimund Löw, den neuen Schutzschirm gibts ja noch nicht, ist jetzt im alten überhaupt noch genug da, vor allem, wenn Portugal schnell Hilfe braucht?

Das ist kein Problem. Die Rede von 60- 80 Mrd Euro, davon würde IWF Teil übernehmen, könnte Scvhutzschirm schaffen obwohl nur 240 der 440 Milliarden ausschopfen kann.

Diese Aufmunitionierung des provisorischen Rettungsschirms ist nicht unmittelbar nötig, auch dann nicht wenn Portugal Hilfe brauchen würde. Sie wäre erforderlich wenn Spanien oder Italien in Schwierigkeiten kommen, so sieht es aber im Augenblick gar nicht aus.
Portugal ist in echten Schwierigkeiten. Premierminister Socrates ist gestürzt, er wird nur mehr als geschäftsführender Regierungschef an dem Gipfel teilnehmen und allgemeine Erwartung ist: Portugal wird Rettungsschirm anrufen müssen. Gerchnet mit 60-80 Milliarden Euro. Die Frage ist nur: wird das schon beim Gipfel selbst heute oder morgen sein, unwahrscheinlich. Und die zweite Frage: wer wird Bedingungen mit der EK, IWF und den Geberländern aushandeln, wenn es keine handlungsfähige Regierung in Lissabon gibt?
Die Angst, dass zu Tode gespart wird, dass der Sparkurs die Wirtschaft endgültig ruiniert, dass von mühsam errungenen Sozialen absicherungen für Arbeitnehmer nicht viel bleibt, ist nicht nur auf Südeuropa beschränkt, heute gehen die Gewerkschaften in Brüssel auf die Straße, was hat die EU-Spitze dieser Angst entgegenzusetzen?
Das ist Schwäche, Sozialstaatsregeln sind im wesentlichen in Kompetenz der Mitgliedsstaaten, wenig europaweite Regeln. Gibt Europäischen Sozialfonds, der hilt auch, aber bescheidene Mittel. Diskussion um Mindestlohn im Europaparlament. Aber riesige Unterschiede in EU - Idee 60 Prozent des Durchschnittslohns, aber keine absulte Untergrenze - müsste 2, 3 Euro sein, angesichts Osteuropas, das wieder im Westen wenige Bedeutung. Diskussion am Anfang.
Immer mehr Länder, die zu Einschnitten gezwungen werden, die sie vielleicht gar nicht verkraften, aber wird die Kluft zwischen den Reichen und den Ländern nicht noch größer?
Im Augenblick ja, das zu verhindern müssste es größere Transfers innerhalb Europas geben, sowie in Nationalstaaten Westdeu5tschland Ostdeutschland subventioniert, Norditalien Süditalien.
Das politisch schwer durchzusetzen, nicht einmal gemeinsame Übernahme Schulden, Eurobonds in Ö und Deutschland akzeptiert. Aber wenn Auseinanderwentwicklung gestoppt werden soll, wird diese Diskussion neu angegangen werden müssen.
Bis zu gewissen Grad ja Euroschutzschirm auch Transfers - aber eben so vermittelt und mit so vielen Auflagen verbunden, dass politische Völker eher gegeneinander aufbringt als einander näherbringt.
Idee europaweite Solidarität nicht sehr populär.


 

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