Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Gipfelvorschau, MoJ, 16.12.2010

Der EU-Gipfel wird sich heute mit der Situation des Euro am Ende eines turbulenten Jahres beschäftigen. Die Staats- und Regierungschefs wollen den Euro-Schutzschirm, der anfangs als vorübergehende Maßnahme geschaffen wurde, zu einer ständigen Einrichtung der Europäischen Union machen. Dazu soll es eine beschränkte Veränderung des EU-Vertrages geben, berichtet aus Brüssel Raimund Löw.
So bescheiden wie möglich soll die Vertragsveränderung bleiben, damit es bei der Ratifizierung ganz sicher nicht zu unerwarteten Problemen kommt. Zwei knappe Sätze sind es, die Paragraf 136 des Reformvertrages hinzuzufügen wären. Der Textvorschlag, formuliert von Ratspräsident Hermann van Rompuy nach ausführlichen Beratungen in allen 27 EU-Hauptstädten: Zitat:
Die Mitgliedsstaaten mit der Eurowährung können einen Stabilitätsmechanismus schaffen um die Stabilität der Eurozone als Ganzes zu sichern.
Die finanzielle Hilfe ist an strenge Bedingungen geknüpft.
Zitat Ende.
Änderungen während des Gipfels selbst sind nicht ausgeschlossen, aber um mehr als zwei drei zusätzliche Worte wird es sich dabei kaum gehen.
Ein Miniänderung mit riesigen Folgen, denn der 750 Milliarden schwere Euro-Schutzschirm , wird damit zur ständigen Einrichtung der Europäischen Union. Die Abwehrgeschütze zur Verteidigung ihrer Währung, die die Europäer am Höhepunkt der Eurokrise im vergangenen Sommer in Stellung gebracht haben, werden zum fixen Bestandteil der EU-Architektur. Weil der Umfang des Schutzschirmes im Notfall auch vergrößert werden könnte, wäre die EU damit für allfällige spekulative Attacken um vieles besser gerüstet als vor einem Jahr.
Die Grundlage des provisorischen alten ebenso wie des permanenten neuen Fonds wird ein intergouvernementaler Vertrag zwischen den Eurostaaten sein. Das heisst: es gibt keine formelle Kompetenzverlagerung nach Brüssel. Die dadurch mögliche vereinfachte Vertragsveränderung kann ohne Volksabstimmungen, einfach durch Parlamentsbeschlüsse in den 27 Mitgliedsstaaten erfolgen. Ende 2012 soll der neue Text in Kraft sein.
Wie genau dieser Permanente Euro-Schutzschirm aussehen wird, um welche Beträge es geht und nach welchen Regeln er Geld verleiht, das haben bereits die Euro-Finanzminister vor einigen Wochen vorgegeben. Detailarbeiten werden nächstes Jahr folgen. Nur eines ist klar: anders als bisher werden private Geldgeber im Fall der Zahlungsunfähigkeit von Eurostaaten ebenfalls zur Kasse gebeten werden.
Schroff zurückgewiesen wurde Jean Claude Juncker, der angesehene luxemburgische Ministerpräsident, der öffentlich die Einführung von gemeinsamen Euro-Staatsanleihen als Signal der europäischen Solidarität verlangt hat. Juncker will bei diesem Gipfel eine Diskussion über die Grundsatzfrage anregen, ob in der Krise aus der Währungsunion nicht eine politische Union werden muss. Bisher hat er dafür wenig Unterstützer gefunden.

 

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