Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Konjunkturpaket umstritten, MiJ, 24.2.2009

Im vergangenen Herbst galt es als eines der großen Vorhaben der Europäischen Union im Kampf gegen die Rezession: jene 5 Milliarden des 200 Milliarden Euro Konjunkturpakets der EU, die nicht von den einzelnen Mitgliedstaaten sondern aus dem gemeinsamen Budget der Union kommen sollten. Ein bescheidener Betrag, aber Kommissionspräsident Barroso wollte den Stellenwert der EU-Institutionen auch in der Konjunkturpolitik unterstreichen.
Drei Monate später ist der Plan jedoch noch immer nicht verwirklicht. Eine einflussreiche Gruppe zahlungskräftiger von Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, Österreich und die Niederlande, verweigert ihre Zustimmung. Dabei ist das Geld vorhanden. Die Kommission wollte diese gesamteuropäische Konjunkturspritze ursprünglich aus nicht aufgebrauchten EU-Mitteln für die Landwirtschaft finanzieren. Das lehnten die Finanzminister ab, auf deren Konten EU-Mittel zurückfließen, die nicht ausgegeben wurden.
Das Budget der EU, in dem jeder Groschen und Cent genau festgelegt sind, ist bei unter einem Prozent des Bruttonationalprodukts der Mitgliedstaaten ja so bescheiden, dass damit keine Konjunkturpolitik gemacht werden kann. Und Schulden machen, um antizyklische Wirtschaftspolitik zu betreiben, wie die Mitgliedsstaaten, das ist der EU vertraglich verboten. Der Griff der Kommission auf nicht verwendete Gelder wäre ein Weg gewesen, größere finanzielle Souveränität zu bekommen, der jetzt allerdings verworfen wurde.
Aus unterschiedlichen Gründen nicht einverstanden sind die Mitgliedsstaaten auch mit der konkreten Liste von Projekten, die mit diesen 5 Milliarden Euro finanziert werden sollte. Die Kommission wollte ursprünglich vor allem Breitbandverbindungen entwickeln, um den Zugang der Europäer zum Internet zu verbessern. Nach der Gaskrise der Jahreswende kamen auch Energieprojekte dazu. Nabucco, die geplante Gaspipeline aus dem Kaukasus soll einige hundert Millionen erhalten. Doch EU-Staaten im Westen Europas klagen jetzt, Ost-und Mitteleuropa sei durch die Projektauswahl bevorzugt. Österreich hätte sich umgekehrt mehr für Nabbuco erwartet. Auch andere mitteleuropäische Staaten können sich mit der Prioritätenliste der Kommission nicht anfreunden.
Österreich schlägt jetzt vor überhaupt davon abzugehen, von einer 5 Milliardenspritze zu sprechen, wie das anfangs geplant war und statt dessen ganz konkrete einzelne Projekte von Fall zu Fall zu genehmigen. Dann könnte man beim nächsten EU-Gipfel in zwei Wochen einen Grundsatzbeschluss fassen, die Detailverhandlungen aber auf später verschieben.
Von der ursprünglichen Idee, EU-Finanzen gegen den Konjunkturabschwung einzusetzen wäre man allerdings recht weit entfernt.
Die EU-Mitgliedstaaten, die selbst riesige Wirtschafts- und Finanzpakete schmieden, waren bisher auf jeden Fall nicht bereit einen Bruchteil der von ihnen aufgewendeten Milliardenbeträge für eine gemeinschaftliche Konjunkturpolitik zur Verfügung zu stellen. Ein Zeichen dafür, wie stark sich in der Wirtschaftskrise das Gewicht innerhalb der EU von den Gemeinschaftsorganen in Richtung der Mitgliedsstaaten verschoben hat.

 

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