Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Krisendiskussion, ZiB 1, 12.5.2011

Die Reform des Schengensystems soll also im nächsten Monat kommen.
Ist diese Diskussion um das Comeback der Grenzen ein Zeichen für eine tiefere Krise in der Europäischen Union, der ja immer mehr der Wind ins Gesicht bläst?
Es gibt eine gewisse Renationalisierung, keine Frage. Aber ob Vorstellung, dass alles wäre besser, wenn die Grenzbalken wieder da wären, so verbreitet ist weiss ich nicht. Den Preis würde zahlen, die auf reisen gehen.
Vergessen wir nicht: die Europäer haben die tiefste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten hinter sich. Dass da starke zentrifugale Tendenzen auftauchen ist kein Wunder.
Solche Spannungen weil sich die Staaten an den Außengrenzen, vom Zentrum im Stich gelassen fühlen, wenn es starke Wanderbewegungen und Flüchtlingsbewegungen gibt, die gibt es nicht nur in Europa.
Die gibt es ganz genauso in den USA.
Nur machen die Amerikaner keine Existenzfrage daraus.

Warum tun sich die Europäer um so vieles schwerer Schwächen zum Beispiel im Asylsystem oder beim Euro auszubügeln?
Die EU ist beides, sie ist ein Bund souveräner Staaten, sie hat aber auch etwas von einem Bundesstaat, mit gemeinsamer, geteilten Kompetenzen.
Da gibt es immer Pendelbewegungen.
Das geht nicht nur in Richtung Nationalismus.
Demnächst wird es einen neuen Chef der Europäischen Zentralbank geben, die wichtigste Institution der Stabilität unserer Währung. Deutschland hat sich heute in aller Form für den italienischen Zentralbanker Mario Draghi als neuen EZB-Chef ausgesprochen. Hätte man sich das vor zehn Jahren vorstellen können, ein Italiener als oberster Hüter der europäischen und damit auch der deutschen Währung? Das sind doch auch Zeichen das sich die Europäer in Wirklichkeit besser zusammenraufen können, als es manchmal den Anschein hat.

 

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