Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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  Aktuelle Analysen
   

EU-Krisenmarathon, ZiB 1, 22.10.2011

   Dass die finanzielle Situation  Griechenlands sich trotz der Finanzspritzen von EU und IWF verschlechtert ist bekannt. Auch die Belastungen für die europäischen Banken sind nicht neu. Warum denn jetzt diese  ungewöhnliche  Häufung von Krisensitzungen in Brüssel?

  Weil die Europäer an einem Punkt angelangt sind, an dem  Flickwerk nicht mehr möglich ist.
  Die Probleme hänge ja alle mit der internationalen Finanzkrise zusammen: die   verzweifelte Lage in  Griechenland,  die Schuldenkrise  im ärmeren Südeuropa, die Schwierigkeiten der    Banken im reichen Nordeuropa haben.
 
  Daher sagt man, es muss eine umfassende Antwort der EU geben. Dass auch die Banken kräftig zur Kasse gebeten werden, das soll Teil dieser Antwort sein.
 
  Die Erwartung ist groß, dass am Ende dieses Sitzungsmarathons  ein Befreiungsschlag stehen wird. Wenn die Staats- und Regierungschefs am nächsten Mittwoch den Schlusspunkt setzen.  Das mag übertrieben sein. Aber  zumindest eine  Richtungsentscheidung wird es geben müssen,  sonst wäre die Enttäuschung riesig.  

 

Die EU-Aussenminister, die heute dazugestoßen sind, beraten über mögliche neue Strukturen in der EU, die raschere Entscheidungen möglichen machen sollen. Gibt es eigentlich Einigkeit, dass dazu eine neuerliche Veränderung des EU-Vertrages erforderlich sein wird?

   Nein, da gibt es keine Einigkeit. Der Vorschlag einer Vertragsveränderung kommt vor allem von Deutschland.  Andere sind skeptischer.
 
   Aber  Deutschland gibt zur Zeit den Ton an in der EU. Und die  Forderung  nach einem Euro-Finanzminister, der auch ein Durchgriffsrecht auf die Budgets von Problemländern  hat, die wird sehr massiv vorgetragen.
   
  Der Vorteil wäre, dass man dann zu einer grundlegenden Diskussion gezwungen wäre, was besser ist für die Bürger im 21. Jahrhundert: ein  geeintes oder ein zersplittertes Europa, ein solidarisches oder ein nationalistisch- egoistisches.

 Irgendwann wird diese Debatte sowieso zu führen sein.

ZiiB 24,

  Was wird denn so lange gefeilscht bei den Finanzministern? Brisanz Politikern klar, dass es ums Ganze geht?
  Es ist so kompliziert, weil ein Schuldennachlass für Griechenland unmittelbare Auswirkungen für die Banken und Versicherungen in ganz Europa hat, die griechische Staatspapiere besitzen. Und weil man  fürchtet, dass dann massiv die Spekulation gegen andere schwäcjhere Staaten zunehmen wird und die Investoren ihr Geld auch aus Spanien und Spanien zurückziehen werden, weil sie vermuten es könnte auch in anderen Staaten einmal einen Schuldenschnitt geben. Daher sagt man eine umfassende Lösung ist nötig, und die ist kompliziert.

Wenn Vertragsveränderungen, dann Volksabstimmungen – nicht Totgeburt?

  Eine Vertragsveränderung ist riskant, klar Volksabstimmungen können schlecht ausgehen. Aber der Vorteil wäre, dass von diesem unmittelbaren Krisenmanagement ein wegkommt und beginnt Grundfragen zu klären, mit den Bürger: was ist  im turbulenten 21.Jahrhundert im Interesse der Bürger: ein starkes oder ein schwaches Europa,  EU-Staaten, die solidarisch agieren, oder in denen nationalistischer Egoismus vorherrscht.
  Das wäre schon eine Debatte, die sich auszahlt.

 

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