Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Libyendiskussion, MoJ, 21.4.2011

Immer erschreckender sind die Nachrichten aus Libyen. Während die Vereinten Nationen warnen, der Einsatz von Streubomben durch Gaddafi-treue Truppen in der eingeschlossenen Stadt Misrata könnte als Kriegsverbrechen gewertet werden, kündigen mehrere EU-Staaten an, dass sie Militärberater zur Unterstützung der Rebellen entsenden. Die Europäische Union bereitet sich auf den militärischen Schutz von Hilfskonvois vor, sollten die Vereinten Nationen darum ansuchen.
Drei Dutzend europäische Militärberater aus Frankreich, Großbritannien und Italien bei den Rebellen in Bengazi. Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Mit Militärberatern begann das amerikanische Engagement in Vietnam, warnen britische Zeitungen, sind die Europäer jetzt vielleicht dabei, sich auf Dauer in den blutigen Bürgerkrieg in Nordafrika einzuschalten?
Immerhin rufen die verzweifelten Rebellenführer in der eingeschlossenen Stadt Misrata jetzt offen nach europäischen Bodentruppen, gegen das Bombardement durch die Streitkräfte des Regimes.
Das haben die Regierungen in Paris und London bisher unmissverständlich abgelehnt.
EU-Außenpolitikchefin Cathrine Ashton wirbt zur Zeit bei den Arabischen und Afrikanischen Staaten für einen politischen Ausweg, der nicht unbedingt mit dem Abgang Gaddafis beginnen muss. Ein Waffenstillstand sei jederzeit möglich, aber dazu müssen die Angriffe der Gaddafi-Truppen tatsächlich aufhören, der Diktator muss die etwa ein Dutzend eingeschlossenen Städte freigeben.
Die größte Sorge bereitet der Europäischen Union die Lage in Misrata, der drittgrößten Stadt. Ob humanitäre Hilfe für die 700 000 Eingeschlossenen durch das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen möglich ist, gilt als wichtiger Test für die Zukunft. Intensiv bereitet sich die Europäische Union darauf vor Hilfe nach Misrata aus der Luft, über das Meer oder auch auf dem Landweg auch militärisch zu schützen, sollte es dazu einen Hilferuf der Vereinten Nationen geben.
Eufor Libyen heisst der geplante militärische Hilfseinsatz der EU, an dessen Vorbereitung sich auch österreichische Offiziere beteiligen. EU-Soldaten könnten aufgerufen sein eine Zeltstadt für Flüchtlinge aufzustellen, den Flugplatz von Misrata für humanitäre Einsätze in Betrieb zu nehmen oder den Hafen für Hilfslieferungen zu sichern. Auch humanitäre Korridore am Boden, um Nahrungsmittel zu transportieren oder Flüchtlingen über die Grenze nach Tunesien zu helfen, werden angedacht.
Die Aufforderung der Vereinten Nationen an die Europäische Union aktiv zu werden, kann jederzeit kommen, heißt es in Brüssel, innerhalb weniger Tage müsste die Aktion dann anlaufen. Ein geschlossenes humanitäres Auftreten der Europäischen Union in Libyen konnte als Nebeneffekt der etwas angeschlagenen gemeinsamen Sicherheitspolitik der EU, so hofft man, neues Leben einhauchen.

 

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