Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Transportminister erhöhen LKW-Maut, MoJ, 15.10.2010


Fürden Güterverkehr über die Alpen wird heute ein historischer Tag: nach einer Bauzeit von 15 Jahren wird in der Schweiz der Durchstich beim geplanten Eisenbahntunnel durch den Gotthard vollzogen. Mit 57 Kilometern wird das Bauwerk der längste Tunnel der Welt. Gleichzeitig verhandeln die EU-Verkehrsminister in Luxemburg über eine Erhöhung der LkW-Maut durch die Einbeziehung der durch die Umweltverschmutzung, Lärm und Staus verursachten Kosten.
Eine Vorschau von Raimund Löw:
Der Kontrast könnte größer nicht sein. Über eine eigene Videoschaltung werden die EU-Verkehrsminister heute den Durchbruch beim längsten Tunnel der Welt durch den Gotthard in der benachbarten Schweiz verfolgen können.
Am österreichischen Brenner, wo es ähnlich dramatische Verkehrsprobleme gibt wie in der Schweiz, ist in den letzten Jahren zwar viel protestiert und manchmal auch blockiert worden. Aber der Brenner Basistunnel ist trotz der finanziellen Angebote der EU noch ferne Zukunft. Das EU-Land Österreich klagt zwar über den Verkehr, konnte sich aber zu einer breitflächigen LkW-Maut auf den Transitstrecken, wie sie in der Schweiz besteht, nie durchringen.
Immerhin könnten die EU-Verkehrsminister heute eine Reform der sogenannten Wegekostenrichtlinie auf den Weg bringen, die auch sogenannte externe Kosten zum Teil der LKW-Maut machen könnte. Nach einem komplizierten Berechnungsverfahren solle die Möglichkeit geschaffen werden die Umweltverschmutzung, die Lärmbelastung und die durch den Güterverkehr verursachten Staus in die LKW-Maut einzuberechnen. Der Gütertransport auf der Straße würde dadurch teurer.
Vorausgesetzt, die Mitgliedsstaaten greifen auf diese Möglichkeit zurück, denn gezwungen kann zur LKW-Maut kein Staat in der Europäischen Union.
Eine Einberechnung der Umweltbelastung in die europäischen Mautvorschriften ist ein seit langem verfolgtes Ziel Österreichs. Bisher waren die Beneluxländer und auch Deutschland. Jetzt aber hat das Vorsitzland Belgien einen Kompromiss ausgearbeitet, auf den sich die Minister heute möglicherweise einigen werden.
Allerdings sind Beträge, um die es dabei gehen wird, sind minimal: zwischen 3 und 4 Cent pro Kilometer würde sich eine LKW-Fahrt durch die Einberechnung von Luftverschmutzung, Lärm und Stau verteuern. Auf dem Brenner, wo Österreich jetzt schon einen Alpenzuschlag kassiert, würde das kaum Veränderungen bringen, weil die Mautstrecke mit 35 Kilometern viel kürzer ist, als bei der Alpenüberquerung durch die Schweiz.
Immerhin: könnten Luftverschmutzung, Lärm und Staus beim LkW-Verkehr grundsätzlich einberechnet werden, wäre das eine Weichenstellung für die Zukunft. Das Europaparlament, das ein gewichtiges Wort mitzureden hat, verlangt sowieso strengere Regeln.
Für eine echte Verlagerung der europäischen Gütertransporte von der Straße auf die Schiene müssten sich die EU-Staaten, ob groß oder klein, allerdings vom Schweizer Gottharddurchbruch deutlich stärker inspirieren lassen, als das bisher der Fall war.

 

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