Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

EU-Tschadmission vor Entscheidung, MoJ, 11.1.2008

In Brüssel treffen heute neuerlich Militärexperten der 27 EU-Mitgliedsstaaten zusammen, um über die geplante Hilfsmission im Tschad zu beraten. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, das erforderliche militärische Gerät aufzubringen, die zu einer Monate langen Verzögerung geführt hat, ist man diesmal optimistisch. Das grüne Licht für den Start der bisher größten Militärmission der Europäischen Union in Afrika scheint in Reichweite zu sein.
Was zum Start der europäischen Tschadmission bisher gefehlt hat, das waren genügend wüstentaugliche Transportmittel und ein für alle Eventualitäten ausgerüstetes Feldspital. So verzweifelt waren die Verantwortlichen der Europäischen Union über die vergebliche Suche , dass zuletzt auch die Gefahr einer Absage des ganzen Projekts an die Wand gemalt wurde.
Aber jetzt will Frankreich einspringen, um die Mission doch noch zu retten. Das französische Verteidigungsministerium wird dem aus Irland kommenden Kommandanten der EU-Streitmacht, Patrick Nash bei der heutigen Sitzung der EU-Militärs in Brüssel die ausständigen 12 Hubschrauber zur Verfügung stellen. Präsident Sarkozy persönlich hat die Anweisung gegeben. Auch an eine personelle Aufstockung des französischen Kontingents um 500 Soldaten und zusätzliche Transportmittel ist gedacht. Sogar das Problem des fehlenden Feldspitals scheint vor einer Lösung zu stehen: Italien will heute endgültig versprechen ein mobiles Spital im Südosten des Tschad aufzubauen.
General Nash könnte im Gegenzug die militärischen Voraussetzungen für den Start der Mission für gegeben erklären. Anfang Februar wäre das erste Vorauskommando im Tschad. So lautet das optimistische Szenario für die heutige Sitzung der EU-Militärexperten in Brüssel.
Dass Frankreich sich allerdings noch viel stärker als bisher engagieren muss, um ein Scheitern der Tschadmission zu verhindern, ist kein gutes Zeichen für die gemeinsame Europäische Verteidigungspolitik. Die einstige Kolonialmacht wollte ursprünglich nicht mehr als die Hälfte der europäischen Streitmacht stellen, eine Zahl die jetzt deutlich überschritten werden muss. Immerhin bilden die neutralen Iren und Polen den Kern der drei für Kampfeinsätze gedachten Bataillone, auch Österreich, Schweden und Belgien sind an der auf 3500 Soldaten angelegten sogenannten EUFOR-Truppe beteiligt.
Im Grenzgebiet zwischen dem Sudan und dem Tschad, wo die europäischen Truppen stationiert werden sollen, wird die Situation inzwischen immer schwieriger geworden. Erst Anfang der Woche wurde ein Hilfskonvoi der UNO überfallen. Die Luftwaffe des Tschad wiederum hat Rebellenpositionen innerhalb des Sudan bombardiert, was den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York beunruhigt. Mehr als eine Viertel Million Flüchtlinge in der Region sind auf internationale Hilfe angewiesen.

 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann