| |
|
EU-Erweiterungsreferendum
Irland, Reportage, ZiB 2, 18.10.2002
Enniskerry ist eine Autostunde
von Dublin entfernt: und auch hier wird um jede Stimme gekämpft.
Dass Irland einmal bitterarm war, das ist nur mehr Erinnerung.
Kaum ein anderer Staat Europas hat eine solche wirtschaftliche Aufholjagd
geschafft. Jetzt steht die Frage, ob auch andere diese Chance bekommen
sollen.
Die Menschen sind jetzt eindeutig interessierter als vor einem Jahr, meint
er, sie sind weniger egoistisch, ich glaube die Ja-Stimmen werden siegen.
Im lokalen Delikatessenladen wissen Silvia und Mary noch nicht, wie sie
morgen stimmen werden, aber wahrscheinlich wird es ein nein, sagt sie,
ihre Meinung hat sie immer wieder geändert.
Dass das Nein von früher jetzt revidiert werden soll, das empört
das Lager der Nizza-Gegner.
Eine Jugendorganisation wirbt dagegen zweideutig: es sei besser drinnen
zu sein als draußen, gemeint ist die EU.
Niedere Steuern, große Flexibilität und die EU haben amerikanische
Computerfirmen und Banken ins Land gebracht, für die Irland das Sprungbrett
nach Europa ist. Die Arbeitslosigkeit ist gering und man hofft weiter
auf ein Wirtschaftswachstum von über drei Prozent.
Dass ein Nein unter diesen Umständen ungerecht gegenüber den
Beitrittskandidaten wäre, das bestreiten die Gegner:
Wir wollen die Erweiterung nicht verhindern, beteuert er, aber der Vertrag
von Nizza schafft eine Zweiklassengesellschaft in der EU, die Kleinen
werden schwächer, das schadet auch den neuen Mitgliedern.
Auch der Außenminister glaubt nicht, dass Irland euskeptisch geworden
ist.
Nein, sogar die meisten Nizza-Gegner sind EU-freundlich, aber bei einem
Referendum kommt immer viel Innenpolitik hoch, trotzdem ist er optimistisch
für ein Ja am Samstag.
Wenn die Meinungsforscher recht haben, dann müsste es morgen eigentlich
eine komfortable Mehrheit für den Vertrag von Nizza geben. Aber so
viele Fragen der europäischen Politik von der Neutralität bis
zur Einwanderung, von der Arbeitsplatzsicherung bis zu Privatisierungen,
wurden im Vorfeld diskutiert, dass niemand eine sichere Prognose wagen
will. Der morgige Referendumstag bleibt spannend in Irland.
nach oben,
Fenster schließen
|