Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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EU-Erweiterungsreferendum Irland, ZiB 1, 17.10.2002

So intensiv wie dieser Tage in Irland haben sich Bürger Europas schon lange nicht mit den großen Fragen der EU beschäftigt.
Für das Ja zum Vertrag von Nizza zieht diesmal die gesamte politische Elite ins Feld.
Aber die Gegner geben sich keineswegs geschlagen:
Wo bleibt der Respekt vor den Beitrittskandidaten, entgegnet sie.
Den Druck aus Europa sieht man hier nicht gerne.
Bertie Ahern, der Regierungschef, dessen Popularitätssturz den Ausgang so unsicher macht, erinnert an Irlands wirtschaftlichen Aufstieg in der EU.
Wir haben die Verpflichtung, den Beitrittskandidaten die gleichen Chancen zu geben, die wir vor dreißig Jahren hatte, daher ist ein Sieg des Ja so wichtig.
Für ein Nein machen sich die irischen Grünen und die IRA-Nahe Sinn Fein-Partei stark. Aber Sinn Fein Chef Gerry Adams sagt ein Nein richtet sich gar nicht gegen die Erweiterung, für die sind wir alle. Sinn Fein wolle IRlands Neutralität verteidigen und der Vormacht der Großen in der EU entgegentreten.
Meinungsumfragen sehen einen wachsenden Vorsprung der Ja-Stimmen. Aber noch immer droht eine geringe Wahlbeteiligung und 19 Prozent sind nach wie vor wie vor unentschieden.
Das große Desinteresse des letzten Jahres ist diesmal einer leidenschaftlichen Auseinandersetzung um die großen Fragen der europäischen Integration gewichen. Aber der Vertrag von Nizza, der die komplizierten Entscheidungsprozesse einer größeren EU regelt, ist nicht gerade in Musterbeispiel an Bürgernähe. Ob die Erweiterung so ablaufen wird wie geplant, wird daher ganz entscheidend davon abhängen wie viele Iren wirklich am kommenden Samstag an die Urnen gehen.

 

 

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