Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Einigung USA-Holocaust-Ueberlebende, MoJ, 21.12.2004

Fuer die Anwaelte der Opfer in Miami ist das ein Durchbruch: nie zuvor hat es eine Sammelklage von Holocaust-Ueberlebenden gegen die amerikanische Regierung gegeben und das Justizministerium hat drei Jahre lang zu erreichen versucht, dass die Klage abgewiesen wird. Erstmals hat sich Washington jetzt zu einer aussergerichtlichen Einigung bereit erklaert. Nach Schaetzungen der Anwaelte werden 20 000 bis 30 000 ungarische Holocaustueberlebende oder deren Erben, von den USA nun eine symbolische Entschaedigung in noch unbekannter Hoehe fuer von den Nazis geraubte Gueter erhalten, die von den amerikanischen Besatzungsbehoerden in Oesterreich konfisziert wurden.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges hatten ungarische Nazis, die sogenannten Pfeilkreuzler, versucht, einen Gueterzug mit 42 Waggons geraubten Besitzstandes ungarischer Juden vor der vorrueckenden Roten Armee in Sicherheit zu bringen. Der sogenannte Gold Train, also der Nazi Gold Zug, enthielt Muenzen, Schmuck, Teppiche und Gemaelde, die juedischen Familien abgenommen wurden, bevor die Transporte in die Todeslager einsetzten. In Salzburg haben die amerikanischen Streitkraefte im Fruehjahr 1945 das Raubgut schliesslich beschlagnahmt.
Die Anwaelte der Opfer legten dem Gericht Beweise aus amerikanischen Archiven vor, wonach in der Folge amerikanische Offizierswohnungen und andere Militaereinrichtungen mit dem requirierten Gut ausgestattet wurden, waehrend man die Bitten der ueberlebenden ungarischen Juden um eine Rueckgabe ignorierte. Werte in der Hoehe von bis zu 200 Millionen Dollar soll der Nazi-Goldzug enthalten haben, in heutigem Geld waeren das Milliarden.
Wie genau die Entschaedigungen aussehen werden muss bis Ende Februar festgelegt werden, dass hat das Gericht in Miami verfuegt. Aber beide Seiten, sowohl das Justizministerium als auch die Anwaelte der Ueberlebenden sind optmistisch. Zufrieden aeussern sich auch jene Politiker, wie Senatorin Hillary Clinton, die die Regierung Bush in den vergangenen Wochen zum Nachgeben aufgefordert haben.
Die USA hatten weltweit immer darauf gedraengt, dass Entschaedigungsansprueche aus der Nazizeit auch Jahrzehnte spaeter noch behandelt werden. Aber jetzt hat die amerikanische Regierung auch eigenen schuldhaften Umgang mit geraubtem juedischen Gut zugegeben und die USA sind zur Entschaedigung bereit. Obwohl die Bereicherung der US Army im Fall des Nazi Goldzuges mit den Arisierungen oder der Zwangsarbeit nicht zu vergleichen ist.
Der 75jaherige Jack Rubin aus Florida war als Fuenfzehnjaehriger in Budapest gezwungen worden war bei der Beladung des Gold Zuges zu helfen. Meine Eltern und meine Schwester kann kein Geldbetrag mehr lebendig machen, kommentierte er die Einigung. Aber irgendwie ist das doch ein Stueck abschliessender Gerechtigkeit.

 

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