Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Einwanderungsdebatte, MiJ, 28.3.2006

Massendemonstrationen, in so gut wie allen grossen amerikanischen Stadten, koordiniert und ueber mehrere Tage verteilt:
Sie sind ein deutliches Zeichen fuer das politische Erwachen der immer groesser werdenden spanisch sprechenden Volksgruppe in den USA.
Nach wie vor demonstrieren amerikaweit Zehntausende gegen die geplante Verschaerfung der Auslaendergesetze.
Im Senat in Washington begann gleichzeitig das grosse innenpolitische Ringen: wie soll das traditionelle Einwandererland Amerika reagieren, wenn die wachsende Anti-Auslaenderstimmung im Land mit der Wirklichkeit allgegenwaertiger billiger, aber eben undokumentierter Arbeitskraefte aus Lateinamerika zusammenstoesst.
Auf bis zu 12 Millionen schaetzt man die Zahl der illegalen Einwanderer, manche Wirtschaftszweige koennten ohne sie nicht ueberleben. Nach Arbeitsgenehmigungen fragt kaum ein Arbeitgeber in den USA. Viele illegale Einwanderer sind voll in den amerikanischen Alltag integriert. Sie arbeiten, zahlen oft Steuern und schicken ihre Kinder in die Schule.
Aber in Zeiten der Terrorangst erscheint dieser lange Zeit tolerierte Graubereich nicht mehr akzeptabel.
Das Repraesentantenhaus hat eine Reihe von drastischen Verschaerfungen vorgeschlagen: die Grenzanlagen zu Mexico will man ausbauen. Wer ohne Papiere angetroffen wird, soll strafrechtlich verfolgt werden. Auch schon humanitaere Hilfe fuer illegale Auslaender koennte strafbar werden.
Die von den Senatoren John McCain und Edward Kennedy vertretene Gegenposition lautet: es muss es parallel auch ein Amnestieprogramm geben um Millionen Menschen, die oft seit Jahren hier leben und arbeiten, den Weg zur amerikanischen Staatsbuergerschaft zu ebenen.
Eine Zwischenposition vertritt George Bush: er will staerkere Kontrollen und ein Gastarbeiterprogramm, damit die Wirtschaft legal zu den gewuenschten Arbeitskraeften kommt.
Ausdruecklich wendet sich der Praesident gegen die vor allem in seiner eigenen republikanischen Partei grassierenden Angstparolen. Einwanderer seind keine Gefahr fuer die amerikanische identitaet, beteuert der Praesident, schliesslich stammen wor doch alle von Einwanderern ab.
So weit gehen die Meinungen auseinander im Kongress in Washington, dass niemand weiss, ob ein Kompromiss ueberhaupt moeglich ist. Falls nicht, muesste die Reform der Einwanderungspolitik verschoben werden. Mit unabsehbaren politischen Folgen. Denn bei den Kongresswahlen im Herbst koennten sich beide Lager bemerkbar machen: die Latinos, die mehr Rechte fordern, ebenso wie jene Buerger, die sich uebe die laxe Einwanderungspolitik empoeren.

 

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