Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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  Aktuelle Analysen
   

Energiegipfel der EU in Prag, MiJ, 8.5.2009

Als zur Jahreswende Russland und die Ukraine über den Gaspreis
stritten, da mussten in Europa Zehntausende frieren. Eine
gefährliche Abhängigkeit vom Hauptlieferanten Russland, der die EU
entgegenwirken möchte. Der heutige Energiegipfel in Prag bringt
die Europäer mit jenen potentiellen Lieferanten zusammen, die eine
Alternative wären. Vertreten sind die zentralasiatischen
ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Turkmenistan und
Usbekistan, die Kaukasusrepubliken Georgien und Aserbeidschan,
aber auch Ägypten und der Irak. Gas gäbe es dort genug, die Frage
ist nur, wie das kostbare Gut zu den Konsumenten nach Europa
gebracht werden soll. Zu den riesigen Pipelineplänen gehört auch
Nabucco, ein Projekt über mehr als 3000 Kilometer, an dem auch die
österreichische OMV beteiligt ist, und das den Segen der
Europäischen Kommission hat. Aber die Investoren wollen zuerst
Baugenehmigungen sehen und Garantien haben, dass auch tatsächlich
genug Gas zur Verfügung steht, damit das Unternehmen profitabel
wird. Potentielle Lieferanten wie Turkmenistan und Kasachstan
wiederum sind erst bereit definitive Zusagen zu geben, wenn die
europäischen Pipelines gesichert sind. Schließlich gibt es für Gas
und Öl vom Kaspischen Meer auch andere Abnehmer, wie China oder
Russland. Pipelines, die nicht durch russisches Einflussgebiet
führen sollen, müssen Öl und Gas über die Türkei nach Europa
bringen. Ein zusätzlicher Stolperstein, weil die Europäer die
Beitrittsverhandlungen mit Ankara immer wieder in Frage stellen.
Jedes neue Hindernis, das die EU gegenüber der Türkei aufbaut,
erhöht in Wirklichkeit die Energieabhängigkeit Europas von
Russland, meint trocken ein Experte. Der heutige Energiegipfel in
Prag ist als politisches Signal gedacht diese Schwierigkeiten zu
überwinden. Von der Perspektive einer modernen Seidenstraße, wo es
in beide Richtungen einen Austausch von Informationen, Waren und
Energie gibt, schwärmt der tschechische Noch-Ratspräsident
Topolanek. Ein Ausbau des Südlichen Korridors von Lieferwegen und
Pipelines würde bedeuten: Zentralasien, aber auch der Irak und der
Kaukasus könnten mit einem fixen Einkommen aus der EU rechnen. Die
EU wiederum wäre in Zukunft ein bisschen weniger von Russland
abhängig. Skeptisch beobachtet werden die Verhandlungen von
Delegierten aus Russland und der Ukraine, weil im Gasgeschäft
sowieso nichts geheim bleibt. Auch die USA sind vertreten,
schließlich sind Energieverbindungen und Geopolitik eng
miteinander verbunden.

 

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