Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Energiereform, MoJ, 7.6.2008


In Luxemburg haben gestern Abend die EU-Energieminister eine Grundsatzeinigung zur Reform des Energiemarktes erzielt. Zur großen Erleichterung Österreichs, Deutschlands und Frankreichs werden die Energieriesen nicht gezwungen ihre wertvollen Netze zu verkaufen, damit es mehr Konkurrenz gibt. Aber der Kompromiss ist nur ein Zwischenschritt, komplizierte weitere Verhandlungen zwischen Befürwortern und Gegnern einer stärkeren Liberalisierung werden erwartet. Zur raschen Zerschlagung der Energiegiganten, um schlagartig mehr Konkurrenz im Gas-und Strommarkt Europas zu schaffen, wird es nicht kommen. So viel ist nach der gestrigen Grundsatzeinigung der Energieminister klar. Die Europäische Kommission wollte durch besseren Wettbewerb niedrigere Preise für die Konsumenten erreichen. Der europäische Energiemarkt wird trotzdem in Bewegung bleiben und die Richtung ist auch klar: weniger Macht für die großen Konzerne, die alle Trümpfe in der Hand halten, und eine Vielfalt von unterschiedlichen Regeln. In Großbritannien, den Niederlanden und vielen anderen Mitgliedsstaaten dürfen die Lieferanten von Gas und Strom und die Eigentümer der Pipelines und Stromleitungen nicht die gleichen Firmen sein. Dieses Modell der sogenannten Entflechtung bleibt intakt. In Deutschland oder Österreich werden die Strombetreiber ihre Netze behalten dürfen, mit Auflagen und unter Aufsicht eines Regulators. Wie genau der europäische Energiemarkt im Endeffekt aussehen wird, das wird jedoch von der Entwicklung des Kräfteverhältnisses der nächsten Jahre aussehen. Denn die Minister haben nur eine recht allgemeine Grundsatzeinigung geschafft. Viele Details bleiben offen und Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament stehen bevor. Das kann Jahre dauern.
Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hat zwar nicht zugestimmt, aber er sagt Österreich kann mit dem Energiekompromiss leben. Aus österreichischer Sicht war es das wichtigste zu vermeiden, dass ein europäisches Gesetz die gefürchtete Trennung von Stromlieferanten und Netzbetreiber erzwingt. Die Europäische Kommission, die genau dieses Ziel verfolgt, setzt auf Zeit.

 

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