Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Eurobarometer zu EU-Sozialpolitik, MiJ, 24.7.2009

In der Europäische Union ist die Arbeitslosenrate auf fast 9 Prozent gestiegen. Kein Wunder, dass die Sorge der Bürger um ihren Abreitsplatz steigt. Eine in ganz Europa durchgeführte Eurobarometer-Umfrage zeigt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten. Die Österreicher sehen die Rolle der EU laut dieser repräsentativen Umfrage um einiges positiver, als vielfach behauptet wird, berichtet Raimund Löw aus Brüssel.
Die Europäer sind pessimistisch und glauben mit einer deutlichen Mehrheit von 61 Prozent, dass der Höhepunkt der Wirtschaftskrise noch nicht erreicht ist. Ein Drittel macht sich große Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Die heftigste Beunruhigung finden die Sozialwissenschaftler logischerweise in jenen Ländern, in denen die Krise am schärfsten zugeschlagen hat: Spanien, Litauen und Lettland. Am wenigsten persönlich betroffen fühlt man sich in Skandinavien und den Niederlanden, und damit dort, wo das soziale Netz gut hält.
Österreich liegt bei diesen Fragen im pessimistischen Mittelfeld. Konkrete Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit sind in Österreich seltener als in anderen EU-Staaten, dafür wächst aber die Sorge vor Arbeitslosigkeit schneller als wo anders.
Die Krise macht die Europäer nur langsam mobiler, zumindest sagen sie das den Demoskopen. Immerhin sagen die meisten Befragten, im Fall eines Jobverlusts würden sie eher den Ort wechseln als den Beruf. Bei Österreichern, Spaniern und Litauern gibt es offensichtlich einen entgegengesetzten Trend: sie sind jetzt weniger zu berufsbedingten Ortsveränderungen bereit als noch vor 3 Jahren. Immerhin 13 Prozent der Befragten können sich europaweit im Fall eines Jobverlusts auch vorstellen, eine eigene Firma zu versuchen. In Österreich würden in einem solchen Fall nur 8 Prozent daran denken, sich selbständig zu machen.
Knapp mehr als der Hälfte der Bürger, 52 Prozent, schreibt der EU eine positive Rolle in der Sozialpolitik zu. Eine erstaunlich große Mehrheit von 72 Prozent sieht Europa gar als wichtige Kraft im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. In Österreich liegt - ebenfalls überraschend - dieses positive Urteil über die Rolle der EU bei der Schaffung neuer Jobs sogar noch etwas höher, bei 73 Prozent.
Die Österreicher wissen zwar relativ wenig über die Sozialpolitk der EU. Vom Europäischen Sozialfonds, dem wichtigsten Instrument der EU-Sozialpolitik, haben sie kaum etwas gehört.
Aber sie haben eine hohe Meinung von den positiven sozialen Auswirkungen europäischer Politik. Es kommt in Österreich überdurchschnittlich gut an, wie die EU die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern fördert, Diskriminierung entgegentritt und die Bildung der Jugend fördert. Auch wenn es darum geht europaweit die Arbeitsbedingungen anzugleichen und regionale Unterschiede zu verkleinert bekommt die EU in Österreich bessere Noten als in vielen anderen Ländern.
Die negativsten Bewertungen der EU-Sozialpolitik fanden die Sozialwissenschaftler in Frankreich und Großbritannien. Auch in Ungarn, Irland und Lettland, wo die Krise besonders heftig ist, geht die Popularität der EU-Sozialpolitik zurück.


 

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