Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Eurobarometer zu EU-Wahlen, AJ, 15.4.2009


Am 7.Juni finden in den 27 EU-Staaten Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Fast 380 Millionen Menschen sind wahlberechtigt, nur in Indien gibt es ein demokratisch gewähltes Parlament, das noch mehr Bürger vertritt. Aber die Wahlbeteiligung droht auch diesmal noch weiter zu sinken, das ergab eine aktuelle Eurobarometerstudie.
Für das Europaparlament sind diese Zahlen ein Alarmruf: nur ein Drittel der Europäer sagen, dass sich vorhaben an den bevorstehenden Europawahlen teilzunehmen. Die deutliche Mehrheit von 66 Prozent denkt an Wahlenthaltung. Österreich steht nach Polen am vorletzten Platz, nur 21 Prozent der Befragten Österreicher wollen am 7.Juni wählen gehen. An der Spitze liegt Belgien, mit einer erwarteten Wahlbeteiligung von 70 Prozent. In Deutschland und Frankreich will immerhin fast jeder zweite zu den Urnen gehen.
Wenn sich dieser Trend zur Wahlenthaltung bestätigt, läge Europa damit sogar noch schlechter als die USA mit ihrer notorisch schwachen Wahlbeteiligung. Interessant ist, dass diese alarmierenden Zahlen mit Europaskepsis nichts zu tun haben. Nur ein kleiner Teil der Desinteressierten lehnt die EU ab. Eine deutliche Mehrheit fühlt sich vor der Wirtschaftskrise durch Europa besser geschützt als durch die einzelnen Mitgliedsstaaten.
Grundsätzlich sagen auch in Österreich die Hälfte der Befragten, dass sie sich für die Europawahlen interessieren. Aber die Meisten bezweifeln, dass ihre Stimme etwas ändern kann und 64 Prozent der Europäern ist unklar, was Europaabgeordnete eigentlich tun.
In der Realität des Mächtedreiecks der EU hat das Gewicht des Europäischen Parlaments jedoch stark zugenommen. In immer mehr Politikbereichen haben die EU-Parlamentarier ein gewichtiges Wort mitzureden. Die 27 nationalen Öffentlichkeiten interessieren sich aber vor allem für die Auseinandersetzungen auf der nationalen politischen Bühne.
An dieser Gleichgültigkeit vieler Bürger könnte der bevorstehende Europawahlkampf noch einiges ändern: die meisten Europäer sehen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit das aller wichtigste Thema.


 

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